Der sogenannte Pfälzer-Hof der Familie Wegener-Werner an der heutigen Dorfstraße 64. Der zweite von links ist Hans Wegener, dessen Tochter Elke Meinke dieses Foto zur Verfügung stellte.
Aus Anlass des 300. Geburtstages Friedrichs des II. wird derzeit an den berühmten Preußenkönig erinnert. Auch in unserer Gegend hat seine Politik Spuren hinterlassen, die heute noch sichtbar sind. Unser Leser Helmut Quicker blätterte zu diesem Thema in der Dorfchronik und im Siedenbollentiner Kirchenbuch.
Kölln.Schon bald nachdem Friedrich II. seinen Vater Friedrich I. beerbte und 1740 den Thron bestieg, ließ er Siedler anwerben. Diese sollten sein Reich in den durch den 30-jährigen Krieg am stärksten betroffenen Gebieten besiedeln und durch ihren Fleiß und ihr Wissen einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführen und die Gegenden auch bevölkern. Vor allem aber sollten sie als freie Bauern die Lebensmittelversorgung sichern. So ist in den Kirchenbüchern von Kölln und Boldentin (heute Siedenbollentin) wiederholt von „Colonisten und Pfälzern“ die Rede. Einige Hinweise darauf haben sich bis heute erhalten: „Pfälzer-Wegner“ wird unter Älteren ein Hof in Kölln bezeichnet, der jetzt im Besitz der Familie Tornow ist. Zu Bartow gehört heute noch die „Bartower Pfalz“. Im Frühling 1748 machten sich die ersten Familien – mit vollmundigen Versprechen gelockt – aus den dicht besiedelten Gebieten Hunsrück und Pfalz auf den Weg nach Frankfurt am Main. Dort wurden sie auf Kosten des Preußenkönigs weiterverbracht, zumeist in den kaum besiedelten Oderbruch. Die Zuwanderer protestierten heftig. Ihnen war die Tätigkeit als freie Bauern versprochen worden, nicht die harte Urbarmachung dieses Sumpfgebietes. Nach einigen Wochen wurden 42 dieser Familien schließlich ins Amt Verchen geschickt, wozu auch die Dörfer Cölln, Bartow und Fouquettin gehörten. Dort trafen sie im Herbst 1748 ein und wurden behelfsmäßig einquartiert. Doch waren die Höfe höchstens in der Vorstellung der Beamten und auf dem Papier „wüst“, also unbewirtschaftet und frei. Es ist zu vermuten, dass diese Ländereien unter der Hand von den kinderreichen Einheimischen bewirtschaftet wurden. Auch den Kolonisten war es unangenehm, dass die Alteingesessenen ihretwegen Nachteile erfahren sollten und schickten zwei Protestdelegationen nach Berlin. Eine im Februar, die andere im April 1749, doch ohne Erfolg. So kam es, dass schließlich sechs Familien auf „wüsten Höfen“ im Dorf Cölln (heute Kölln) angesiedelt wurden: der Schlachter Hannickel Holzapfel sowie die „Ackermänner“ Heinrich Keipert, Peter Land, Philipp Land, Georg Sponheimer und Peter Werner mit ihren Familien von je vier bis fünf Kindern. Obwohl die Ansiedler allesamt im Gebiet des heutigen Hunsrück zuhause waren, wurden sie damals generell als Pfälzer bezeichnet. Offensichtlich funktionierte die Integration gut und schon 1762 wurde die erste Ehe zwischen einem Einheimischen und einer Pfälzerin geschlossen, zwischen Johann Erdmann und Anna Holzapfel. Bis zur Gleichberechtigung sollte es aber noch viele Jahrzehnte dauern, wie ein Beispiel beweist. Als 1834 die gemeinnützigen Flächen unter den Bewohnern aufgeteilt wurden, blieben die Kolonisten außen vor. Erst 30 Jahre später, am 14. September 1864, erfolgt die gerechte Aufteilung von Wiesen und Hütungen, in welche die Kolonisten einbezogen wurden. Mit diesem Datum sind ebenfalls sechs Kolonistenfamilien aufgelistet, die zu jenem Zeitpunkt in Cölln wohnen, allerdings mit völlig anderen Familiennamen als 115 Jahre zuvor. Sie hießen: Karl Wegner, Christian Schumacher, Johann Pietschmann, Daniel Freese, Christian Wils Witwe und Christian Erdmann.