Gelungene Silikonfugen und glatte Fliesenschnitte: Besucher Helmut Spaeth probiert sich auf der Baumesse aus. FOTO: Jörg Spreemann
Von unserem Redaktionsmitglied Jörg Spreemann
Die Neubrandenburger Baumesse hat Tausende Zuschauer in die Viertorestadt gelockt. Gefragt waren Tipps für das Sanieren sowie Angebote für Neubauten.
Neubrandenburg/Waren.„Spucke oder Fit?“, nimmt Reinhard Liß seine Zuschauer ins Kreuzverhör. Die Traube neugieriger Herren kann sich auf der Neubrandenburger Baumesse nicht so recht einigen, welches Hausmittel am besten geeignet ist, eine glatte Silikonfuge zwischen die Fliesen zu legen. Aussteller Liß winkt ab: „Lieber auf Trennmittel verzichten, weil die Fuge dann besser hält.“ Liß macht geschickt vor, wie FUGI funktioniert – ohne Abkleben oder Spülmittel. Mit einer kleinen quadratischen Plastikschablone legt er eine Fuge vor, die jeden Heimwerker glücklich machen würde. Auch Helmut Spaeth aus Wulkenzin hat sich die Vorführung des wortgewaltigen Randberliners angeschaut. Er lässt sich aber nicht auf den Kauf eines Werkzeugsets festnageln. „Ich denke drüber nach“, verspricht der Eigentümer eines alten Schnitterhauses. Er schaue sich auf der Messe um, weil das Dach gemacht werden müsse und auch ein paar Fliesenarbeiten erledigt werden müssten. „An einem solchen Haus gibt es immer was zu tun“, erzählt er. Den Bau einer Solaranlage auf dem Dach hat Spaeth noch nicht geplant. „Erst mal muss alles andere in Ordnung sein“, findet er. Dass viele Eigentümer so denken, weiß Klaus Hahn vom Solarzentrum Neubrandenburg. „In unserer Region befinden sich auf den Dächern von Privathäusern deutlich weniger Photovoltaikanlagen als in den alten Ländern, weil viele Leute hier mit der Finanzierung nicht durch sind“, begründet er. Deswegen verkaufe er deutlich mehr Anlagen an Unternehmen, die Solarenergie selbst ausnutzen und deswegen einen zusätzlichen Bonus erhielten. Durch die sinkenden Preise für die Module lohne es sich immer noch, in Photovoltaik zu investieren. Hahn empfiehlt, bei solchen Projekten Preise und Qualitäten zu vergleichen. Da seien Unterschiede von bis zu 50 Prozent drin. Unter den gut 80 Ausstellern auf der voll ausgebuchten Baumesse am Wochenende befinden sich in diesem Jahr allein vier Anbieter von Solartechnik. Deren Zahl wird nur noch überboten von einer fast flächendeckenden Präsenz von Immobilienmaklern und Bauunternehmen. In der neuen Seenplatte-Kreisstadt wird wieder kräftig gebaut und auch Wohnraum gesucht. „Wir haben eine Warteliste von Interessenten, die vom Land in die Stadt wollen“, berichtet Makler Detlef Horn. Inzwischen sei vielen klar geworden, dass Städte ihre Vorzüge haben, schon wegen der sozialen Kontakte. Dem schließt sich Christian Berndt von der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin an. Im letzten großen Neubrandenburger Neubaugebiet Am Steep seien nur noch acht Grundstücke frei. „Im vergangenen Jahr haben mehr als 30 verkauft“, erklärt er. Geplant war nach seinen Angaben nur ein gutes Dutzend. „Grundstücke sind knapp in Neubrandenburg. Das ist der absolute Wahnsinn“, weiß auch Bernd Ebert. Der Chef des gleichnamigen Bauunternehmens steht seit Jahren auf der Neubrandenburger Baumesse. „Schon weil unsere Kunden erwarten, dass wir als Ansprechpartner da sind“, berichtet der Geschäftsführer. Hoch im Kurs stünden seit einiger Zeit die Bungalowhäuser. Sogar über den Jahreswechsel habe es Anfragen zur Projekten gegeben. „Das kannten wir bisher so nicht. Wahrscheinlich wollen die Leute ihre Euro retten“, ahnt Ebert. Die Stadt müsse mehr neue Baugebiete ausweisen. „Das ist wichtig für die Wirtschaft“, findet er. Einer, der sowohl Anfragen von Neu-Bauherren als auch Sanierern bekommt, ist Matthias Werth. Mit einer Einbrecher-Puppe in Lebensgröße zieht er viele der insgesamt über 8000 Neubrandenburger Messebesucher magisch an. „Wir spüren einen verstärkten Beratungsbedarf bei Alarmanlagen“, meint der Mitarbeiter der Schweriner Wematronic. Überall seien Einbrüche in Häuser und Wohnungen ein Thema. „Man hört mehr, vielleicht passiert auch mehr“, vermutet er. Werth stellt ein System vor, das Eindringlinge an der Veränderung des Luftvolumens im Haus erkennt. Insbesondere komme Kundschaft im Alter über 40 zu ihm. „Je älter, desto größer das Sicherheitsbedürfnis“, mutmaßt er.