
| Berlin |
von Torsten Heil
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Vor kurzem konnten sich die Neubrandenburger einen Eindruck vom Ex-Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen beim Dreikönigstreffen verschaffen. Und was sagen die Viertorestädter zur Nominierung?
Die Meinungen sind überwiegend positiv: Insbesondere Politiker äußern sich erfreut über den Kandidaten. Rainer Prachtl, Vorsitzender des Dreikönigsvereins, freut sich über die parteiübergreifende Entscheidung, Joachim Gauck zum Bundespräsidenten wählen zu wollen. „Ich bin persönlich froh darüber, dass Joachim Gauck nominiert wurde“, sagt Prachtl. Er sei sein „Wunschkandidat“ und bringe „Ehrfurcht und Demut“ für das Amt mit, welches zwei wichtige Eigenschaften seien. „Gauck hat ganz große Authentizität“, betont der CDU-Politiker auf Nachfrage. „Er ist eine bessere Wahl als sein Vorgänger Christian Wulff“, sagt Günter Karlowski.
Ob Gauck der Richtig sei werde sich zeigen, er sei aber beliebt im Norden. „Ich bin Stolz auf MV, dass wir jetzt zwei hohe Staatsämter besetzen“, sagt Karlowski weiter. Gauck war am Sonntagabend als gemeinsamer Kandidat von Regierungskoalition sowie SPD und Grünen vorgestellt worden. Bei der Bundespräsidentenwahl 2010 war Gauck schon einmal der Kandidat von SPD und Grünen, verlor aber gegen den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, der am Freitag zurückgetreten war.
Erfahrungen könnten neue Akzente setzen
Die „parteiübergreifende Ausstrahlung“ hat Gauck auch für Annerose Küchler. Und auch Imgold Oldorf freut sich über die Nominierung: „Ich finde die Entscheidung gut. Er hat ein angenehmes Auftreten für einen Präsidenten“, sagt sie. Neubrandenburgs Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) hat Gauck seit seiner Zusammenarbeit in der letzten und freigewählten Volkskammer der DDR bei vielen Gelegenheiten kennen und schätzen gelernt. „Ich denke, dass er sowohl durch seine Integrität als Pfarrer in der DDR und insbesondere seinen Einsatz in der Zeit der politischen Wende als auch durch seine politischen und administrativen Erfahrungen im wiedervereinten Deutschland diesem besonderen Amt gewachsen ist und durchaus eigene und neue Akzente setzen wird.“ Wenn es nach Pastor Fritz Rabe geht, hätten wir Gauck schon vor zwei Jahren haben können. „Ich wünsche Deutschland eine gute Zeit mit Joachim Gauck."
Auch beim Neubrandenburger SPD-Fraktionschef Roman Oppermann trifft die Nominierung auf Zustimmung. „Gauck passt zum Amt.“ Er wecke die Hoffnung, das das Amt des Bundespräsidenten wieder als das erste Amt im Staat wahrgenommen werden könne. „Mit Christian Wulff wurde nicht das Amt des Bundespräsidenten beschädigt, sondern die Moral der Amtsträger war zu hinterfragen. “, sagt Oppermann.
Aber es gibt nicht nur Lob von den Neubrandenburgern für die Kandidatur. „Er ist ein Spalter der Nation“, sagt ein Passant, der seinen Namen nicht nennen will. Vorbehalte gibt es auch bei Bianca Schulz. „Mit 72 ist mir Gauck zu alt“, sagt sie. Er sei ein „Kompromisskandidat“ und sie frage sich, warum er sich das antut. Die „Lückenbüßerfunktion“ sieht auch Traudel Escher. Jana Gührs sagt dazu: „Wir werden sehen, was da kommt. Man kann Gauck erst nach seinen Taten als Präsident beurteilen.“ Auch für Stadtvertreterin Caterina Muth (Linke) ist es nicht der richtige Kandidat: „Ich hätte mir eine Frau wie Margot Käßmann gewünscht“, sagt sie.
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