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Gretes Raritäten: Schwarze Tomaten und lila Möhren

Biogärtnerin Grete Peschken in einem ihrer Gewächshäuser in Stierow bei Gnoien.  FOTO: Bernd Wüstneck
Biogärtnerin Grete Peschken in einem ihrer Gewächshäuser in Stierow bei Gnoien. FOTO: Bernd Wüstneck

VonRalph Schipke

Im mecklenburgischen Stierow wachsen seltene, kuriose und fast vergessene Obst- und Gemüsesorten. Margarete Peschken will traditionelle Sorten erhalten.

Laage.Weltweit soll es etwas mehr als 4000 registrierte Tomatensorten geben, hinzu kommen noch einmal so viele namenlose, nicht registrierte Sorten. Von dieser Vielfalt ist in deutschen Gärten und auf deutschen Tellern jedoch nur wenig zu sehen. Statt Sortenvielfalt dominieren hier nur eine Handvoll Hybriden wie „Harzfeuer“ und „Sungold“ den Markt. Anders in Margarete Peschkens Garten und im Samenlager der Saatgut-Züchterin in Stierow im Landkreis Rostock. Hier finden sich alte und bei vielen in Vergessenheit geratene Sorten, Gemüse- und Getreidevarianten sowie anderswo als „Unkraut“ taxierte heimische Kräuer. Auch Zierpflanzen züchtet Peschken und bietet Saatgut von Wildkräutern für Hobby- und Kleingärtner im Versand an.
In der Großstadt trifft besonders das Exotische auf Kundeninteresse. „Wenn ich auf den Grünmarkt in Berlin gehe, verkaufen sich klassische Gemüse nicht so gut. Dort ist all das Spezielle und Besondere gefragt“, berichtet die 49-jährige Seiteneinsteigerin, die seit fast zehn Jahren gärtnert. „Die Großstädter wünschen immer öfter Schwarzkohl statt Grünkohl, lila Möhren und schwarze Tomaten.“ Und auch die Nachfrage nach Saatgut für das etwas andere Gemüse wächst, stellt die Züchterin fest. Samentauschbörsen bekommen immer mehr Zulauf, selbst große Saatgutanbieter versuchen, Neues und Besonderes anzubieten. Im Nordosten sind die Bio-Gärtner gut mteinander vernetzt.Über die Kooperative „Samenbau Nordost“ können Samen für den heimischen Garten geordert werden. Die vier beteiligten Öko-Gärtnereien betreiben eine streng biologische Saatgutvermehrung.
Bernd Schulze von der Hochschule Neubrandenburg ist begeistert von der Vielseitigkeit an Sorten, die Züchter wie Grete Peschken vor dem Vergessen bewahren. Schulze ist der „Herr“ über die Gewächshäuser und den Lehr- und Schaugarten der Hochschule am Tollensesee. Auch er baut seltene Kartoffel- und Getreidesorten an, „damit die Studenten auch die Pflanzen zu sehen bekommen, die aus der Landwirtschaft weitgehend verschwunden sind.“
Der Wissenschaftler bedauert, dass gerade Kartoffeln in den Supermärkten oft ein trostloses Dasein führen. Raritäten hätten in der durchmechanisierten Landwirtschaft und technisierten Lebensmittelindustrie keine Chance. „Umso grandioser, dass Gärtner wie Grete Peschken sich der traditionellen Sorten in der Nische annehmen.“
Schulze hofft, dass die EU mit der Neuregelung des europäischen Saatgut-Marktes die alten und seltenen Sorten nicht verschwinden lässt und damit genetische Vielfalt opfert. Laut EU müssen künftig auch sogenannte Erhaltungs- oder Amateursorten registriert werden. Peschken rechnet mit mehr bürokratischem Aufwand sowie nicht unerheblichen Gebühren für die Registrierung.

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