Nordkurier.de

Im „Dialog“ schreiben für die Bühne

VonChristopher Wirks

In der Schreibwerkstatt wagen sich Schüler jetzt an Theaterstücke. Das tun sie ohne Druck – und wissen das zu schätzen.

Neubrandenburg.Melanie Stelter hat bis vor Kurzem meist nur Gedichte geschrieben. „Jetzt möchte ich mich auch an Theaterstücke und erzählende Texte wagen“, sagt die Neubrandenburger Fachabiturientin. Die Grundlagen dafür holt sie sich ineinem Volkshochschulkurs, der sich mit erzählendem Schreiben beschäftigt. Und in der Schreibwerkstatt in Neubrandenburg. Diese findet jetzt wieder monatlich statt.
„DIALOG“ heißt das bundesweite Projekt, bei dem dort in Zusammenarbeitmit Berliner Schülern Ideen und erste Theaterszenenentstehen.Dabei schreiben alle Teilnehmer an ihrem eigenen Stück, nicht an einem gemeinsamen.Die Autorin Katharina Schlender betreut das Kooperationsprojekt der Berliner Jugendtheatertage und des Neubrandenburger Brigitte-Reimann-Literaturhauses. Die gebürtige Neubrandenburgerin hat in Berlin kreatives Schreiben studiert und mehrere Theaterstücke verfasst.
„Die Jugendlichen schreiben regelmäßig ein Online-Tagebuch, das alle Teilnehmenden einsehen können“, erklärt Schlender. Und Abraham Hoppe, einer der Neubrandenburger Jungautoren und Schüler am Musischen Haus ergänzt: „Durch die Übungen kommt man auf neue Ideen. Vor allem aber schätze ich sehr, dass wir ohne Druck arbeiten.“ Maria Weise, Schülerin derselben Schule, sagt: „Man merkt durch das Onlinetagebuch sehr gut, was die anderen so beschäftigt und erhält selbst auch Impulse.“
Katharina Schlender findet an dem Projekt vor allem wichtig, „dass es über eine so lange Zeit läuft“. An nur einem Wochenende schaffe man wenig, manchmal auch gar nichts, meint sie. „Durch die lange Projektdauer können wir aber dauerhaft an den Ideen der Jugendlichen arbeiten.“
Felix Fäcknitz vom Musischen Haus ist mit dem Ziel gekommen, dramatische Texte zu schreiben. „Ich habe schon vorher Geschichten geschrieben, aber Theaterliteratur ist noch neu für mich.Ich habe sogar schon Ideen für zwei unterschiedliche Stücke“, sagt er lächelnd.
Die Mitarbeit in dem Projekt ist allerdings ergebnisoffen, wie Katharina Schlender sagt. „Es geht uns nicht darum, dass jeder im Sommer ein fertiges Theaterstück geschrieben hat, sondern dass der- oder diejenige dann das theoretische Rüstzeug zum Dramen schreiben besitzt“, sagt Schlender. „Dabei gehen wir auf jeden individuell ein. Die Übungen sind für jeden Teilnehmer etwas anders.“ Eine wichtige Motivation bei den Teilnehmer sei auch das Verbessern der eigenen Schreibfähigkeiten.
Die monatlichen Treffen in der Schreibwerkstatt sollen vor allem der Übung und dem kreativen Austausch dienen“, erläutert Katharina Schlender. Sie möchte außerdem zeigen, dass auch nach der voraussichtlichen Schließung des Schreibtreffs im Reimann-Haus Neubrandenburg noch viel kreative Energie vorhanden sei. Dass die Einrichtung geschlossen werden soll, erbost die Autorin. Erika Becker vom Reimann-Literaturhaus bestätigt: „Anfang Juni läuft unser Pachtvertrag aus.“ Katharina Schlender und die vier Jugendlichen wollen auch deshalb bei der sommerlichen Projektpräsentation im Garten des Literaturhauses zeigen, wie wichtig solch kreative Arbeit ist.

Kontakt zum Autor
red-neubrandenburg@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×