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Im Handumdrehen zur Diktatur

Auf dem kürzesten Wege zur unbegrenzten Macht: Die regierende Akronische Zukunftspartei im Strategiegespräch mit Carsten Socke (rechts) von der Landeszentrale für Politische Bildung.
Auf dem kürzesten Wege zur unbegrenzten Macht: Die regierende Akronische Zukunftspartei im Strategiegespräch mit Carsten Socke (rechts) von der Landeszentrale für Politische Bildung.

Aller Anfang ist schwer, das kennen Nina Ramid und Carsten Socke von den Stationen ihrer Bustour „Demokratie auf Achse“. So schwer wie am Albert-Einstein Gymnasium aber hatten es die beiden Projektmitarbeiter selten. Dabei klingt das Ziel ihres Planspiels zunächst ganz einfach: Eine Gruppe von Schülern nutzt die absolute Mehrheit der Regierungspartei zum Aufbau einer Diktatur im fiktiven Staat Akronia. Nina Ramid aber musste feststellen: „Die Schüler hier sind einfach zu demokratisch eingestellt für die Diktatur.“

Und so hatte es lange gedauert, ehe sich das Blatt in die gewünschte Richtung wendete. Dabei schien alles perfekt vorbereitet: Die regierende AZP (Akronias Zukunftspartei) war von den Wählern mit einer absoluten, sprich verfassungsgebenden Mehrheit ausgestattet worden - konnte schalten und walten. In Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs, wachsender Arbeitslosigkeit und zunehmender Abwanderung verlangte das Volk nach einer starken Hand. Eben diese sollten nach und nach Akteure wie Presse, Mittelstandspartei oder Jugendorganisationen zu spüren bekommen.

Auf legalen Wegen immer mehr Macht

Auf legalen Wegen der Gesetzgebung verschaffte sich die AZP mehr und mehr Macht, verwandelte das politische System in einen Selbstbedienungsladen für ihre Mitglieder: Einschränkung der Pressefreiheit, Behinderung der Opposition, Politisierung der Polizei waren nur einige Beispiele dafür, wie sich die AZP die Instrumente der Demokratie zum Untertan machte. Da konnte auch ein „illegaler“ – weil zuvor verbotener – Streik der Akronischen Jugendorganisation nicht mehr helfen. Am Ende hatten die Zehntklässler erfahren müssen, wie schnell sich die Grenze zwischen Demokratie und Diktatur auf die Seite der autoritären Staatsform verschiebt.

„Genau darum geht es uns bei diesem Projekt. Wir wollen die Schüler erleben lassen, wie schnell vermeintliche Demokratien in Diktaturen abgleiten können“, erklärt Nina Ramid. Nach anfänglicher Skepsis hatte das geklappt. Angelehnt war der Ausflug nach Akronia an das politische System der DDR. Die ist zwar seit über 20 Jahren Geschichte, Akronia muss deshalb aber nicht auf immer Fiktion bleiben.

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