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Kehrtwende nach teurem Umstieg bei Hartz IV

VonJörg Spreemann

Überraschung: Nur zwei Jahre nach der Übernahme der Alleinregie für Lang- zeitsarbeitslose will der Landkreis Seenplatte wieder mit der Bundesarbeits- agentur zusammenarbeiten.

Neubrandenburg.Kehrt Marsch für Hartz-IV-Empfänger: Ab Januar 2014 sollen alle Langzeitarbeitslosen in der Mecklenburgische Seenplatte wieder gemeinsam von Bundesarbeitsagentur und Landkreis betreut werden. Nur anderthalb Jahre nach der aufwendigen Umstellung des Jobcenters Mecklenburg-Strelitz auf alleinige Zuständigkeit der Kommune ändert das Landratsamt überraschend seine Strategie und strebt den Widerruf der vom Bundesarbeitsministerium erteilten Zulassung an.
Nach Informationen des Nordkurier sind die Mitarbeiter des Jobcenters Mecklenburg-Strelitz bereits über die Neuausrichtung informiert worden, die im Juni vom Kreistag abgesegnet werden soll. Zum Jahresbeginn war bereits im Landkreis Vorpommern-Greifswald das Jobcenter Ostvorpommern aus der alleinigen Verantwortung des Kreises entlassen worden.
Die Umstellung auf die Alleinregie des Kreises Seenplatte für knapp 8000 Hartz-IV-Empfänger hatte vor zwei Jahren einen hohen fünfstelligen Eurobetrag verschlungen und monatelang an die 20Mitarbeiter der Kreisverwaltung damit beschäftigt, sämtliche Daten der Betroffenen per Hand in eigenständige Computerprogramme zu übertragen. Vor diesem bürokratischen Aufwand hatten zuvor Gewerkschaften und Unternehmensverbände mehrfach vergeblich gewarnt. Dabei war auch befürchtet worden, dass Arbeitslose schlechtere Jobchancen haben, wenn das Jobcenter nicht mehr auf die Stellenbörse der Bundesarbeitsagentur zurückgreifen kann.
Bisher hatte Landrat Heiko Kärger (CDU) sich vehement dafür ausgesprochen, das Jobcenter Seenplatte komplett in die Verantwortung des Kreises zu übernehmen. Nach Informationen des Nordkurier haben Zugeständnisse der Bundesarbeitsagentur aber für einen Richtungswechsel gesorgt. Darunter ist die Übernahme aller Mitarbeiter in die neue Einrichtung zugesichert worden. Zudem sollen die niedrigeren Gehälter eines Teils der Mitarbeiter auf das höhere Niveau der Bundesagentur angeglichen werden.
Erleichterungen durch die mögliche Neuauflage der Kooperation ab 2014 entstehen zum Beispiel für Geringverdiener, die aufgrund schwankender Einkommen zwischen den Behörden wechseln mussten. Gleichzeitig haben bei einer Zustimmung des Kreistages Arbeitgeber, die Personal suchen, nur einen Ansprechpartner auf Seiten der Arbeitsagentur.

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