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Kein Verkehr mehr ab Windstärke 8

Rangierbetrieb in Uhlenhorst
Rangierbetrieb in Uhlenhorst

Olaf Kleinau nimmt die Trillerpfeife zwischen die Lippen und gibt die Fahrt frei. Da rumpeln die kleine Deutz-Diesellok und ihre vier Wägelchen hinterdrein durch die Wiesen. Wie an jedem Sonnabend und Sonntag stehen acht Fahrten auf dem Fahrplan der Vereinsfreunde der Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn (MPSB). Der Zug rattert und zuckelt mit zehn bis zwölf Stundenkilometer Spitze nicht ganz drei Kilometer durch Wiesen und Felder. Rollt in großer Schleife durch den Findlingsgarten im Schwichtenberger Schulwald.

Beim Halt zum Weichenstellen erklärt Kleinau – heute Fahrdienstleiter, Schaffner, Weichensteller und zweiter Vereinsvorsitzender der MPSB-Freunde in einer Person – den Passagieren: „Sie könnten hier aussteigen. Müssen Sie aber extra Eintritt zahlen.“

Ob es in Uhlenhorst früher Eulen gab?

Trillerpfiff! Nächster Halt: Uhlenhorst. Früher, als die Feldbahn, Spurbreite 600 Millimeter, noch in Konkurrenz zum Pferdefuhrwerk für mehr Mobilität auf dem Lande sorgte, war hier ein Eisenbahnknoten inmitten der „Großen Wiese“. Gewissermaßen Schwichtenberg Hauptbahnhof zum Umsteigen nach Ferdinandshof, Friedland oder Anklam. Ob es hier früher Eulen gab? Olaf Kleinau zuckt mit den Schultern. Der Mann der fast alles über Eisenbahngeschichte weiß, ist naturkundlich nicht so bewandert.
„Während des Fahrbetriebes ist für das leibliche Wohl unserer Besucher am Bahnhof Uhlenhorst gesorgt“, verspricht bereits die Internet-Seite der Feld-, Wiesen- und Eisenbahn-Enthusiasten. Mit dieser Aufgabe betraut, schaut
Margitta Ullrich heute aus der Luke des zum Kiosk umgebauten Wagens. In guten Zeiten konnten über Land Reisende von hier eine Zugfahrt über 250 Kilometer Strecke mit Anschlüssen ans Reichsbahn-Hauptnetz antreten. Und vorher eine Bockwurst speisen.

Vom Lokführer bis zum Streckenläufer

Seiteinigen Jahren betreiben 34 Vereinsmitglieder den kleinen musealen Streckenrest von 2,6 Kilometern zwischen Schwichtenberg-Dorf und Uhlenhorst auf dem Felde. Zehn aktive Freizeit-Bahner, die als Lokführer, Zugbegleiter, Schienenleger oder Fahrkartenverkäufer zum Einsatz kommen und natürlich auch alle Instandhaltungsarbeiten an Fuhrpark und Strecke erledigen. Einer der fünf geprüften Lokführer ist Peter Bensch. Er reist am Wochenende aus der Nähe von Bernau an, um die 7,8 Tonnen schwere Deutz-Diesellok auf der nostalgischen Reise mittenmang des Wiesengrüns zu chauffieren.

An der Kleinbahn-Sicherheit ist nullkommanix zu bemängeln. Das lokführende Personal ist vom Eisenbahnbundesamt für den Personentransport handverlesen. Noch kein Zug sprang gefährlich für Leib und Leben aus den Gleisen. Früher soll es allerdings am „Hauptbahnhof Uhlenhorst“ bis 1900 einen Winddruckmessergegeben haben. Ab Windstärke 8 schaltetesich eine im Dienstraum des Stationsvorstehers befindliche Klingel ein. Und der Personenverkehr musste eingestellt werden auf Grund der geringenStandfestigkeit der Wagen. Es bestand wohl Gefahr, dass Sturmböen Wagen umwehen könnten.

Sonachzulesen ist es auf derInternetseite des Bahn-ModellbauersThomas Rose aus Waldkraiburg in Oberbayern. Der lässt den Bahnhof Uhlenhorst gerade in alter Pracht und Herrlichkeit in Maßstab H0 neu erstehen.

Der MPSB-Verein:
www.mpsb-online.de
Das detailgetreue Modell:
www.mpsb-im-modell.de
 

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