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„Kinder des KfL“ stehen im Leben

Grete Herrmann aus Cölpin war einst Dispatcher beim Kreisbetrieb für Landtechnik. Heinz Lorenz (rechts) ist bis heute auf dem Gelände in Neverin geblieben. [KT_CREDIT] FOTO: A. seidel
Grete Herrmann aus Cölpin war einst Dispatcher beim Kreisbetrieb für Landtechnik. Heinz Lorenz (rechts) ist bis heute auf dem Gelände in Neverin geblieben. [KT_CREDIT] FOTO: A. seidel

Von unserem RedaktionsmitgliedAnett Seidel

Wenn die ehemaligen KfLer zusammen kommen, gibt es viel zu erzählen. Das Stimmengewirr in der Brohmer Gaststätte war der beste Beweis dafür.

Brohm.Heinz Lorenz hat das Licht nie ausgemacht. Er war der letzte Betriebsleiter des KfL in Neverin und leitet an selber Stelle bis heute die Landmaschinen- und Fahrzeug GmbH Neverin. Der KfL mit seinen Außenbetrieben war zu DDR-Zeiten für die Technik der Landwirtschaft verantwortlich. Im Kreis Neubrandenburg waren das genau 53 Landwirtschaftbetriebe, weiß der Geschäftsführer bis heute. Der Ihlenfelder ist quasi ein Kind jener Kreisbetriebe. Mit seinen ehemaligen Kollegen plauschte er deshalb in der Brohmer Gaststätte über alte Zeiten, die ihm täglich präsent sind.
Grete Herrmann sitzt neben ihm. Sie hielt als Dispatcherin den Kontakt per Funk zu den Kollegen. Sie hatte auch die Idee von einem Wiedersehenstreffen der ehemaligen Kfler. Nicht per Funk, sondern mit dem Telefon nahm sie Kontakt zu den Kollegen von damals auf. Die ließen sich nicht lange bitten. Schon vor zwei Jahren gab es ein Wiedersehen in Neverin mit dem Versprechen in zwei Jahren eine Wiederholung stattfinden zu lassen. Norbert Räth half jetzt dabei. Er war einst Technischer Direktor beim Kreisbetrieb für Landtechnik in Neverin. Heute widmet er sich in Friedland Immobilien. „Einige ehemalige Kollegen habe ich seit 30 Jahren nicht gesehen“, meint er. Obwohl er 1980 in die Friedländer Stärkefabrik wechselte, sei der Kontakt zum KfL nie abgerissen. Der Friedländer freute sich, dass zum zweiten Treffen jetzt knapp 70 ehemalige Mitarbeiter kamen. Denn mit der Auflösung der KfL in der Wendezeit trennten sich die Wege der meisten.
Inzwischen genießen viele das Rentendasein. Dispatcherin Grete Herrmann hat beispielsweise nach der Auflösung der KfL in den Wendejahren gemeinsam mit ihrem Mann den Weg in die Selbstständigkeit gesucht und mit Herrmann Tiefkühlprodukten gefunden.
Heinz Lorenz aber blieb, auch als die Treuhand den Betrieb übernahm. „Ich war 15 Jahre Betriebsleiter“, erzählt der 73-Jährige. Als gelernter Schlosser nahm er den Weg einer klassischen Karriere in der DDR, studierte Landtechnik, kennt die Geschichten von Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) und war als Jungingenieur dabei, als 1964 die Kreisbetriebe gegründet wurden. Er erinnert jetzt in Brohm an den Ministerratsbeschluss über die Gründung der KfL in allen Kreisen der DDR. Riesige Betriebe seien daraufhin entstanden. In der Runde der ehemaligen Kfler des ehemaligen Kreises Neubrandenburg wird von bis zu 800 Mitarbeitern zu Spitzenzeiten gesprochen. „Damals mussten die Strukturen aufgebaut werden“, erinnert sich Heinz Lorenz an die Startschwierigkeiten zurück. „In Neverin waren wir schließlich der erste KfL in der DDR – am 1. Juni 1964.“ Oft habe er überlegt, den Betrieb zu verlassen. Aber das „Kind des KfL“ blieb und ist noch heute da. Denn in den Wendejahren übernahm plötzlich die Treuhand den ehemaligen Volkseigenen Betrieb. 350 Beschäftigte und zehn Betriebsstätten galt es in der neu gegründeten Landmaschinen-Fahrzeug GmbH mit Arbeit zu versorgen. Geld musste verdient werden. Und es musste jemanden geben, der den Hut auf hatte, Verantwortung übernahm. Heinz Lorenz ließ sich lange darum bitten und nahm schließlich die Herausforderung mit Mitte 50 an. „Den Antrag auf Kauf haben wir schnell gestellt und genauso schnell wurde er abgelehnt“, lacht Heinz Lorenz heute. Am Ende überzeugte er die Treuhand doch. Er beschäftigt als Geschäftsführer bis heute 35 Mitarbeiter und fügt augenzwinkernd hinzu: „In meinem Büro stehen noch die Möbel aus KfL-Zeiten.“

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a.seidel@nordkurier.de

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