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Kita-Mann ist sehr beliebt bei den Kleinen

Thomas Perlick-Binder mitten in der Kinderschar des Horts der Kita „Freundschaft“ in Prenzlau.  FOTO: Frank Wilhelm
Thomas Perlick-Binder mitten in der Kinderschar des Horts der Kita „Freundschaft“ in Prenzlau. FOTO: Frank Wilhelm

Wer sich mit Thomas Perlick-Binder auf dem Hof des Horts der Prenzlauer Kita „Freundschaft“ über seine Rolle als Einzelkämpfer unterhalten möchte, hat den 29-Jährigen nicht lange für sich allein. Immer wieder kommen die Kinder, und wollen was von ihm wissen. Lea-Sophie beispielsweise strahlt ihn mit ihren dunklen Augen an. Sie ist stolz auf ihre Playback-Probe mit einem Song von Helene Fischer. „Kann ich das Lied noch mal singen“, fragt die Achtjährige.Perlick-Binder hat gleich eine Idee: Alle vier Wochen spielt er in der Aula des Schulgebäudes zur Disko auf. Dann bekomme sie auf jeden Fall ihre Auftrittschance verspricht er der kessen Lea-Sophie.

Der aus dem bei Waren gelegenen Dörflein Sorgenlos stammendePerlick-Binder hat ursprünglich Koch gelernt. Aus gesundheitlichen Gründen musste er sich allerdings umorientieren und fand im zweiten Anlauf seinen Traumberuf. Über eine zweijährige Ausbildung als Sozialassistent und die anschließende Absolvierung der Berufsschule in Schwerin (3 Jahre) qualifizierte sich der junge Mann zum Erzieher. Von der Stadt Prenzlau, die die Kita „Freundschaft“ selbst betreibt, wurde er quasi mit Kusshand genommen. Im Oktober 2010 hatte er sich beworben, am 1. Dezember war seiner erste Arbeitstag.

Am liebsten betreut er die älteren Hortkinder. Im Rahmen der so genannten Verlässlichen Halbtagsgrundschule (VHG), einer speziellen brandenburgischen Schulform, arbeiten Lehrer und Erzieher kombiniert mit den Mädchen und Jungen. „Da fragen einen die Kinder oft schon morgens: Thomas, bist Du heute bei uns“, sagtPerlick-Binder. Bedauerlicherweise könne er wegen einer Knieverletzung nicht mit den Jungs auf dem Fußballplatz bolzen, dafür sei er aber als Schiedsrichter sehr gefragt.
Darüber sind seine 30 Kolleginnen in der Kita auch gar nicht böse. Überhaupt käme man gut mit dem einzigen männlichen Erzieher aus, sagt Liane Conrad. Sie arbeitet seit 1976 im Kindergarten. Männer seien bedauerlicherweise nach wie vor Exoten in den Kitas. „Wir könnten auf jeden Fall noch mehr Männer vertragen. Wir hoffen alle, dass unsThomas Perlick-Binder erhalten bleibt“, sagt Liane Conrad.

Die Gefahr, dass er den Beruf wechselt, besteht derzeit aber nicht, auch weil er mit den Frauen ebenfalls sehr gut auskomme, wie er sagt.Perlick-Binder hat selbst zwei Kinder, fünf und neun Jahre. Mit seiner Familie lebt er in einem Dorf bei Prenzlau. Sein Job macht ihm einfach „Riesen-Spaß“: „Die Kinder bestätigen mich jeden Tag.“
Gemessen am Männeranteil unter den Erziehern gehört Mecklenburg-Vorpommern (2,8 Prozent) in Deutschland zu den Schlusslichtern, in Brandenburg (3 Prozent) sieht‘s etwas besser aus.Perlick-Binderwünscht sich, dass deutlich mehr Männer in die Kitas gehen. „Immerhin sprechen wie doch immer wieder von Gleichberechtigung.“

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f.wilhelm@nordkurier.de

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