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„Kleine Riesen“ agieren ganz groß

Das Publikum, darunter viele Eltern und Verwandte, zeigte sich von den bisherigen zwei Aufführungen angetan. [KT_CREDIT] FOTOS: Ch. Resske
Das Publikum, darunter viele Eltern und Verwandte, zeigte sich von den bisherigen zwei Aufführungen angetan. [KT_CREDIT] FOTOS: Ch. Resske

VonCharlott Resske

Die Kinder der St. Michaels Gemeinde Neubrandenburg habe ein eigenes Musical einstudiert. „Die Schrift an der Wand“ wurde jetzt zum zweiten Mal vor Publikum präsentiert.

Neubrandenburg.Aufgeregt warten die Jungen und Mädchen. Gleich geht es los. Draußen sitzen ihre Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte. Sie alle sind gespannt – freuen sich auf das Musical. Kein Stuhl bleibt bei der Vorstellung heute leer. Mehr als 250 Zuschauer wollen sehen, wofür ihre Kleinen in den vergangenen sechs Monaten so hart geprobt haben.
Mit Strahlen in den Gesichtern gehen die Kinder auf die Bühne, singen das erste Lied, schauspielern und tanzen. Man sieht den fünfunddreißig kleinen Musicaldarstellern die Freude an. „Das machen sie aber schön“, flüstert eine ältere Dame ihrer Nachbarin zu und blickt stolz zu ihrer Enkeltochter auf der Bühne.
Zum Anfang sind dort vier Teenager und ein kleines Mädchen. Sie langweilen sich, doch plötzlich taucht eine Fantasie-Kamera auf und versetzt die fünf jungen Leute tausende Jahre zurück – in die Zeit, als König Belsazar eines seiner Feste feierte. Die ausgelassene Stimmung, in der der König und seine Gäste sind, schlägt in Angst und Schrecken um, als an der Wand eine geheimnisvolle Schrift erscheint.
Mit dieser Rahmenhandlung wird die Bibelgeschichte „Daniel in der Löwengrube“ erzählt. Seit Anfang Januar haben die Kinder dafür geprobt. „Wir wollten etwas Anspruchsvolles“, berichten Gemeindepädagogin Andrea Rosenow und Kantor Frieder Rosenow von der St. Michaels Gemeinde von der Ideensuche. 35 Kinder aus dem Chor „Kleine Riesen“ und 15 Kinder aus verschiedenen Schulen in Neubrandenburg sind zusammengekommen, um das Musical einzuüben. Dazu sind sie sogar gemeinsam auf den Darß gefahren, um an einem Wochenende intensiv an dem Stück zu arbeiten. „Jeder sollte sich mit seiner Gabe einbringen. Wer nicht singen mag, tanzt eben“, sagt Andrea Rosenow. „Alle Kinder werden mit ihren Vorlieben ernst genommen. Nur so kann eine Sicherheit auf der Bühne entstehen“, ergänzt Frieder Rosenow.
Als Emelies Mutter im Gemeindechor von der Idee des Musicals hörte, fragte sie gleich ihre Tochter, ob sie mitmachen möchte. „Am Anfang dachte ich, ich kann nicht singen. Doch es hat Spaß gemacht – auch das Singen“, erzählt die 12-jährige Emelie Zobel stolz. „Ich denke das Musical stärkt die Gemeinschaft der Kinder und entwickelt ihre vielfältigen musikalischen Fähigkeiten“, freut sich ihre Mutter Gesine Zobel.
Johanna Wüsten wollte eigentlich nur im Rahmen der Kindergottesdienstgruppe die Kinder auf ihrer „Übungsreise“ betreuen. Doch dann waren noch einige Rollen zu besetzen. „Daniel in der Löwengrube ist sowieso meine Lieblingsgeschichte in der Bibel. Also habe ich mitgespielt“, erklärt die 18-Jährige und erzählt von der Freude, die ihr das Musical geschenkt hat.
Mit so vielen Kindern ein Musical einzustudieren, sei schon eine Herausforderung, gibt Frieder Rosenow zu. „Vom Arbeitsaufwand her war das die Grenze. Die Kinder mussten neben den siebzehn Liedern auch noch Bewegungen und einige schauspielerische Szenen lernen.“
Doch dass sich all die Arbeit gelohnt hat, zeigen der nicht enden wollende Applaus am Ende und der Stolz in den Gesichtern der vielen Mama, Papas, Omas und Opas. „Jetzt verstehen Sie, warum sich die Kinder die ,Kleinen Riesen‘ nennen“, zeigt sich auch Andrea Rosenow glücklich.

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red-neubrandenburg@nordkurier.de

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