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Kleiner Laden und große Probleme

Von unserem Redaktionsmitglied
Paulina Jasmer

Dass eines seiner Lieblingsgeschäfte in der Oststadt schließen musste, macht Otto Heinrich traurig. In seinen Augen trifft den Vermieter, die Neuwoba, eine Mitschuld und auch die ehemalige Ladeninhaberin fühlt sich vom Vermieter allein gelassen.

Neubrandenburg.„Ein kleiner Sonnenstrahl in der Oststadt wurde zunichte gemacht“, urteilt der Neubrandenburger Otto Heinrich in einem Brief an die Neubrandenburger Redaktion. Er bezieht sich damit auf die Pleite eines kleinen Ladens, der bis vor einigen Wochen noch von Annette B. betrieben wurde. Als Grund für die Insolvenz des Unternehmens im ersten Quartal von 2013 sieht Heinrich unter anderem den Vermieter der Ladenfläche, die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft (Neuwoba). Die zu hohe Raummiete hätte seines Erachtens dazu geführt, dass Annette B. das Geschäft nicht hat halten können
Erst im Juni 2012 hat Annette B. den Laden in der Juri-Gagarin-Ring eröffnet. Darin vermietete sie Regale an Kunden, damit diese die Flächen mit gebrauchten oder neuen Artikeln bestücken konnten. Annette B. hat diese Stücke dann im Namen der Kunden verkauft – „ohne Gebühr“, wie Otto Heinrich betont. Er habe auch selbst diese Angebote in Anspruch genommen und lobt in seinem Brief die Geschäftsidee der Unternehmerin.
Erst als die Unternehmerfrau das Gewerbe abmelden und damit auch den Vertrag mit der Neuwoba kündigen wollte, sei der Vermieter auf den Hilferuf der Unternehmerin eingegangen und habe Mietminderung angeboten. Otto Heinrich schlussfolgert daher: „Wir haben den Eindruck, dass die Neuwoba lieber Leerstand verwaltet als die Initiativen von mutigen Mitbürgern fördert, nur wegen ein paar Euro.“
Annette B. freut sich bei Nordkurier-Nachfrage über die Treue ihres Kundenstammes, den sie in einigen Monaten aufbauen konnte. Gern würde sie auch wieder das Geschäft eröffnen, obwohl ihr Gewerbe erst einmal abgemeldet ist. Zu günstigeren Mietkonditionen würde sie es eventuell noch einmal versuchen wollen, sagt sie.
Aber für 90 Quadratmeter habe sie 850 Euro Warmmiete aufbringen müssen. Zu viel für sie, wie die Unternehmerin herausfand. Allerdings, so räumt sie ein, hätte sie womöglich noch im Vorfeld, also vor der Kündigung, mit dem Vermieter das Gespräch suchen können, so Annette B. Aber dass ihr Hilfe erst angeboten wurde, als es zu spät gewesen ist, enttäusche sie noch immer.
Dass es bei Problemen der Mietzahlung eigentlich auch ein Ansinnen der Mieter sein sollte, mit dem Vermieter ins Gespräch zu kommen, um über Lösungen zu reden, hält hingegen Neuwoba-Vorstandssprecher René Gansewig auf Nachfrage für selbstverständlich. Er findet zudem, 5,31 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete für Gewerbeflächen sei „kein Wucher“. Dass die Mieterin in Not gewesen sei, sei plötzlich gekommen, denn noch für den November habe sie fristgerecht gezahlt. Doch dann sei es zu Mietrückständen gekommen, für den Dezember 2012 und für den Januar 2013.
Die Kündigung der Mieterin, dass sie also die „Reißleine zog“, sei außerdem parallel zur Kündigung – wegen der Mietrückstände – seitens der Neuwoba gewesen, so René Gansewig weiter. Natürlich sei die Neuwoba an langfristigen Mietverhältnissen interessiert und die Mitarbeiter seien bereit, Mieter zu unterstützen – allerdings im Sinne der Wirtschaftlichkeit, betont er.

Kontakt zur Autorin
p.jasmer@nordkurier.de

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