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Kliniken wollen Patienten vor Killer-Keimen schützen

Das Krankenhaus, ein Ort zum Gesundwerden? Viele Patienten fürchten sich vor Keimen in den Kliniken.  FOTO: Jens Schierenbeck
Das Krankenhaus, ein Ort zum Gesundwerden? Viele Patienten fürchten sich vor Keimen in den Kliniken. FOTO: Jens Schierenbeck

VonB. SanderundR. Kiesel

Multiresistente Keime machen auch vor dem Nordosten nicht halt, Patienten sorgen sich vor dem Krankenhaus. Die Kliniken sagen den Erregern nun den Kampf an.

Neubrandenburg/Prenzlau.Die Krankenhäuser der Region wollen sich ab sofort noch stärker dem Kampf gegen die stark ansteckenden multiresistenten Erreger MRSA widmen. Das geht aus einer Initiative hervor, die unter anderem die Universitätskliniken Greifswald und Rostock sowie die Techniker Krankenkasse (TK) ins Leben gerufen haben. Sie unterzeichneten einen Versorgungsvertrag zur Bekämpfung multiresistenter Keime. Vorgesehen ist darin eine standardisierte Aufnahmeuntersuchung von Risikopatienten, die Isolierung von Infizierten auf den Stationen und die abgesonderte Behandlung der Patienten.
Maßnahmen, die im Neubrandenburger Klinikum längst gängige Praxis sind. Das zumindest meint Johannes Hellauer, Chefarzt des hiesigen Instituts für Hygiene. „Wir fragen bei jedem neuen Patienten nach besonderen Risiken und nehmen dann gegebenenfalls eine Untersuchung vor“, so der Hygienefacharzt. Risiken bestünden bei vorherigen Krankenhausaufenthalten, der Einnahme von Antibiotika oder chronischen Wunden. Sollte das Klinikpersonal ein Risiko feststellen, erfolgt eine Untersuchung des Patienten auf MRSA-Keime. Das Ergebnis des kombinierten Nasen-Rachen-Abstrichs liegt rund vier Stunden später vor. „Im vergangenen Jahr haben wir bei rund 20000 Patienten solch eine Unterschung vorgenommen, 500 davon waren tatsächlich mit Keimen belastet“, erklärt Hallauer. Diese wurden isoliert untergebracht und behandelt.
Ähnlich vorsichtig geht auch das Personal in der Prenzlauer GLG Klinik mit den gefährlichen Keimen um. „Wir fragen grundsätzlich alle Patienten auf bestimmte Risiken hin ab und untersuchen diese nötigenfalls auf die MRSA-Keime“, sagt Kliniksprecher Andreas Gericke. „Wir haben das Thema schon lange auf dem Plan und seit April auch eine eigene Hygieneärztin, die sich nur darum kümmert“, so Gericke weiter. Aus aktuellem Anlass nimmt die Klinik in Prenzlau heute an der bundesweiten „Aktion saubere Hände“ teil.
Schätzungen zufolge infizieren sich jährlich 400000 bis 600000 Menschen mit MRSA-Keimen, 10000 bis 15000 Menschen sterben daran. Genauere Zahlen gibt es nicht, da die Infektionen nicht vollständig meldepflichtig sind.

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