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Kommunale Gesellschafter bleiben allein im Tower

VonAndré Gross

Am Weiterbetrieb des Flughafens Neubrandenburg- Trollenhagen scheiden sich im politischen Raum die Geister. Die Palette reicht von sofort schließen“
bis zu „mal sehen,
was damit anzufangen ist“.

Seenplatte.Kann sich der klamme Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, von Neubrandenburg als Hauptgesellschafter ganz zu schweigen, den Flughafen Trollenhagen künftig noch leisten? Die Frage beschäftigt die Kommunalpolitiker heftig, wie sich bei der jüngsten Kreistagssitzung deutlich alleingezeigt hat.
Denn die Bundeswehr stellt den Flugbetrieb zum 30. September dieses Jahres ein und wird bis März 2014 auch ihr Flughafenpersonal abziehen. Das heißt für die zivile Flughafen Neubrandenburg-Trollenhagen GmbH (FNT) Investitionen tätigen, vor allem die bislang mitgenutzten militärischen Flächen und Anlagen erwerben. Um sich das Vorkaufsrecht zu sichern, bedurfte es eines politischen Beschlusses des Kreisparlaments, der Gegner und Befürworter auf den Plan rief.
Das Abstimmungsergebnis für die Vorlage fiel recht deutlich aus, wobei es nicht an Einwänden fehlte. CDU-FraktionschefThomas Diener stieß sichdaran, dass in dem Papier von einer Weiterführung des Flughafens die Rede war.Flächen sichern ja, aber die Option einer anderweitigen Nutzung offen halten, so Dieners Ansatz.
Drastischer zu Werke gehen Linke und Bündnisgrüne. Sie führen ins Feld, dass der Flughafen von Beginn an unrentabel und ein Wirtschaftsförderung tituliertes Zuschussgeschäft war. Linksfraktionschef Arnold Krüger sprach davon, dass sich der Landkreis den Flughafen schlichtweg nicht leisten kann, Grünen-Chef Helge Kramer nennt ihn „wirtschaftlich unsinnig“. „Wir brauchen ein Ausstiegsszenario“, betonte er. Wenig Neigung, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, zeigte der Spitzenmann der Fraktion FDP/FW/WGLR, Toralf Schnur. Schließlich sei die Stadt Neubrandenburg Mehrheitsgesellschafter und könne allein entscheiden. Die Viertorestadt hält 56,3 Prozent der Anteile, der Landkreis 30 Prozent, 12,3 Prozent entfallen auf die Neubrandenburger Verkehrsbetriebe und 1,4 Prozent auf die Gemeinde Trollenhagen. Finanzielle Auswirkungen hat der Kreistagsbeschluss noch nicht, mit ihm ist lediglich ein Verhandlungsmandat verbunden.
FNT-Geschäftsführer Alexander Karn hat sich gegenüber unserer Redaktion zurückhaltend geäußert. „Die Gesellschafterversammlung beabsichtigt nach wie vor den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten, sofern die künftigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies ermöglichen“, hieß es in einer schriftlich übermittelten Erklärung. Dafür braucht die Gesellschaft aber auch den finanzeillen Segen der Gebietskörperschaften. Und zumindest im Kreistag sah es zu dem Thema nicht rosig aus.

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