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Kunde scheitert mit Klage um ein „Superschnäppchen“

VonAndreas Segeth

99 Euro statt 966 Euro: Wer bei so einem Angebot im Internet zuschlägt, kann nicht sicher sein, dass der Preis auch wirklich stimmt.

Neubrandenburg.Ein Kunde kann sich nicht unbedingt auf einen angegebenen Superschnäppchen-Preis verlassen, wenn er übermäßig vom eigentlichen Wert der Ware abweicht. Ein solches Urteil hat am Dienstag das Amtsgericht Neubrandenburg gefällt.
Daniel S. aus Düsseldorf hatte am 6. Januar 2012 auf der Homepage eines namhaften Neubrandenburger Großhändlers für Musikbedarf eine Musiksoftware gesehen, die sonst um die 1000 Euro kostet, hier aber für nur 99Euro angeboten wurde. Er schlug sofort zu, überwies den Kaufpreis über Paypal und erhielt eine Kaufbestätigung vom Neubrandenburger Händler. Kurz danach folgte eine E-Mail, in der ihm mitgeteilt wurde, dass sich die Lieferung verzögern würde. Erst am 12. Januar bemerkte die Firma, dass ihr ein Irrtum unterlaufen war: Die Software namens „Native Instruments Komplete 9“ sollte eigentlich 966 Euro kosten. Der Preis war nur durch einen Schreibfehler falsch ausgezeichnet worden. Der Großhändler focht den Kaufvertrag sofort an und überwies das Geld zurück.
Daniel S. klagte vor dem Amtsgericht Neubrandenburg auf Erfüllung des Vertrages und wollte die Software trotzdem für 99 Euro haben. Der Händler hingegen beantragte Klageabweisung.
Richterin Heike Paulmann sprach nun ihr Urteil und wies die Klage von Daniel S. zurück. Der Internethändler habe den Kaufvertrag rechtzeitig und aus gutem Grund angefochten. Es handle sich auch nicht um einen Kalkulationsirrtum. Es könne dahinstehen, ob der viel zu niedrige Preis durch bloßes Vertippen oder durch die Datenverarbeitung zustande gekommen sei. Das Gericht halte es für ausgeschlossen, dass es sich bei den 99 Euro um ein bloßes Lockangebot handle, wie der Kläger meinte.
Heike Paulmann hatte in der Haupterhandlung Anfang Mai vorgeschlagen, dass der Händler dem Kläger jetzt die neueste Version der Software zu einem günstigen Preis anbiete. Diesen Vergleich hatten die Anwälte beider Parteien abgelehnt. Die Richterin wies jetzt nicht nur die Klage zurück, sondern bürdete auch die Kosten des Verfahrens dem Kläger auf.

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