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Kundenfrust: Wenn das Schnäppchen schon ausverkauft ist

Werbeprospekte versprechen tolle Schnäppchen. Doch wenn die nicht mehr da sind, bleiben die Kunden meist auf dem Ärger sitzen.  FOTO: Peter Kneffel
Werbeprospekte versprechen tolle Schnäppchen. Doch wenn die nicht mehr da sind, bleiben die Kunden meist auf dem Ärger sitzen. FOTO: Peter Kneffel

VonJörg Spreemann

Händler müssen zwar die Regeln des Wettbewerbs- rechts einhalten, genießen aber bei Werbeangeboten viele Freiheiten.

Neubrandenburg.Den Fernseher hätte Norbert Höber zu gern erworben: Angeboten in einem Werbeprospekt, war er von dem günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis des Schnäppchens sofort überzeugt. Dass es für einen Kauf möglicherweise zu spät sein könnte, war ihm aber bewusst. „Wegen einer Dienstreise bekam ich den Prospekt leider erst drei Tage später in die Hand“, erinnert er sich. Doch ein Telefonanruf bei dem Elektronikmarkt beruhigte ihn. Das Gerät sei noch vorrätig, habe er als Auskunft bekommen.
Höger macht sich sofort auf den Weg zum Geschäft und erlebt eine bittere Enttäuschung. „Pech gehabt“, habe der Verkäufer klar gestellt. Die Laufzeit der Werbung sei nach 48 Stunden vorbei, das Gerät koste jetzt gut 200 Euro mehr. Auch sein Verweis auf das Telefonat kurz vorher bringt ihn nicht zum Einlenken. „Das ist für mich unlauterer Wettbewerb, um Leute ins Geschäft zu locken“, ärgert sich Höger und schaltet die Verbraucherzentrale ein.
Deren Rechtsexperte Matthias Wins kennt aus Beschwerden den Frust von Kunden, wenn beworbene Produkte nicht vorrätig sind. „Leider gehen die Rechte von Verbrauchern, einen Artikel aus einem Werbe-Flyer tatsächlich zu bekommen, gegen Null“, erläutert er. Es gebe auch keine vorgeschriebene Geltungsdauer für die Schnäppchen.

Beweisführung vor Gericht
meist kaum möglich
Allerdings seien Händler verpflichtet, die Regeln des Wettbewerbs einzuhalten. „Ein Verstoß kann bei falsch ausgewiesenen Preisen ebenso gegeben sein wie bei geänderten Ausstattungsmerkmalen“, so der Experte. Auch sei der Verkäufer verpflichtet, sich entsprechend seines „normalen Geschäftsverlaufs“ zu bevorraten. „Das heißt, günstiger Kaffee darf nicht extra verknappt werden, damit die Kunden in den Laden gelockt werden, um den teureren zu kaufen“, erläutert Wins. Zu Gunsten von Norbert Höger falle aber ins Gewicht, dass ihm am Telefon eine Zusicherung gegeben worden sei, die später nicht eingehalten wurde. „Allerdings sind die Hürden, hier einen Schadenersatz für Spritkosten und Zeit gerichtlich durchzusetzen, recht hoch“, schränkt er ein. Angesichts der bei niedrigem Streitwert vergleichsweise hohen Verfahrenskosten ergebe sich oft zusätzlich ein Beweisproblem für den Kunden. „Oft liegt es am Geschick des Händlers, durch Entgegenkommen die Wogen zu glätten“, meint Wins.
Die Verbraucherzentrale könne bei unlauterem Wettbewerb mit Abmahnungen gegen Händler vorgehen. Voraussetzung sei aber, das sich möglichst viele Kunden innerhalb kurzer Zeit beschweren. Das nähre den Verdacht, dass ein Geschäft systematisch gegen die Wettbewerbsregeln verstoße. „Wir sind froh über jeden, der sich bei uns meldet“, bittet er weiter um Mithilfe.

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j.spreemann@nordkurier.de

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