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Landtag schießt den Vogel ab: Raben geht’s an den Kragen

VonAndreas Frost

Werden die Raben in MV zur aussterbenden Art? Ein Jagd-Erlass könnte darauf schließen lassen, meinen die Grünen im Landtag. Berichte über aggressive Raben bezeichnen sie als Schauermärchen.

Schwerin.Die Grünen haben Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) vorgeworfen, die Jagd auf geschützte Raben und Graureiher in Mecklenburg-Vorpommern zu vereinfachen. Backhaus wies das im Landtag von sich und beschuldigte die Grünen, das Parlament für dumm zu verkaufen. Die Raben-Debatte wird kaum als Sternstunde in die Geschichte des Landtags eingehen. Mit zahlreichen Zwischenrufen und Gelächter machten sich Abgeordnete anderer Fraktionen über die Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski lustig.
Aus einem Erlass des Agrarministers vom Februar hatte sie herausgelesen, damit werde die Raben-Jagd erleichtert. Sie forderte nicht nur die Rücknahme des Erlasses. Sie bezweifelte auch den Sinn der Jagd auf Raben überhaupt. Diese Singvögel seien so intelligent wie Delfine.
Berichte über Raben, die angeblich gesunde Lämmer, Ferkel und Kälber angegriffen haben, bezeichnete Karlowski als „Schauermärchen“. Lediglich tote oder dem Tod geweihte neugeborene Tiere würden von Raben gefressen. Gesunde Herden würden die Vögel eher aus Neugier und Spieltrieb aufsuchen. Bis auf extreme Einzelfälle sei kein Grund vorhanden, auf Raben zu schießen.Backhaus beharrte darauf, durch den Erlass habe sich am Schutz der Raben nichts geändert. Neu geregelt wurde nur, welche Behörde für Abschuss-Genehmigungen zuständig ist. Denn immer wieder klagten gerade Öko-Bauern und Schäfer über „erhebliche Probleme“, Nutztierbestände seien in Gefahr. Burkhard Lenz (CDU) untermalte die Notwendigkeit der Raben-Jagd mit Schilderungen über Raben, die in Scharen über Schafsherden herfallen und Lämmern die Augen aushacken. „Überzogener Artenschutz setzt den Landwirten die Pistole auf die Brust“, so Lenz.Auch die Linkspartei befand, die Grünen seien über das Ziel hinausgeschossen. Im Landesamt für Umwelt wurden in den Vorjahren etwa zehn Anträge für Kolkraben-Jagd gestellt. Genehmigt wurde jeweils der Abschuss von maximal fünf Raben. Spätestens wenn der dritte Artgenosse tot war, seien die anderen Vögel ferngeblieben. Schließlich seien Raben hochintelligent.

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