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Landwirte mit gemischten Gefühlen bei der Aussaat

VonPaulina Jasmer

Hiesige Bauern fragen sich, wie sie ohne die jetzt verbotene Beize ihren Raps groß kriegen sollen.

Kessin/hohenzieritz.Wie viel Rapssaatgut kauft man für die nächste Saison? Denn gebeiztes Saatgut ist ab kommendem Jahr laut EU-Kommission verboten – wegen der Bienenvölker, deren Sterben mit der Beize in Zusammenhang gebracht wird.
Diese Verordnung gehörte zu den Hauptthemen eines Rapsfeldtages in Kessin bei Altentreptow, zu dem viele Landwirte gekommen waren. Zum einen wollten sie sich bei Ludger Alpmann, Produktmanager bei der Deutschen Saatveredelung, über die neuesten Erfahrungen bei der Rapszucht informieren. Aber zum anderen ging es eben auch um bange Zukunftsaussichten, denn mit der Beize wurden in der Vergangenheit Erdflöhe und Kohlfliegen vom im August gesäten Raps fern gehalten. Bis zum Sechs-Blatt-Stadium genießt die Pflanze so Schutz, und im Folgefrühjahr können dann die Blüten sprießen.
Für die Landwirte scheint die Beize demnach keine Gefahr für die Bienen darzustellen, behaupten sie. Sie fühlen sich von Pauschalurteilen überhäuft. „Natürlich läuft nicht immer alles glatt in der Landwirtschaft“, räumt Lutz Grabowski vom Landgut Grapzow ein. Er spricht sich dabei für ein gläsernes Unternehmen aus. Die Menschen sollten ruhig wissen, was im Betrieb passiere und aus welchem Grund. „Aber zum Erliegen kommen darf die Produktion nicht“, fordert er und wird dabei nicht müde, die Kommunikation zwischen Landwirten, Imkern und Verbrauchern anzukurbeln.
Zum Erliegen komme der Betrieb vielleicht nicht ganz, aber durch die verbotene Beize müssen die Landwirte zwei- oder dreimal zusätzlich spritzen, um die Schädlinge zu bekämpfen, rechnet Karl-Heinz Henschel von der Deutschen Saatveredelung vor.
Für Landwirt Axel Didt aus Hohenzieritz, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Luisenhof, bringt diese EU-Verordnung gravierende Einschnitte mit sich, sagt er. An die 700 bis 800 Hektar Raps bewirtschaftet der Betrieb mit rund 55 Mitarbeitern. Und die Beize habe oft geholfen. Denn insbesondere zwischen den Städten Neubrandenburg und Neustrelitz registriert Didt ein erhöhtes Schädlingsaufkommen. „Während in Grapzow die Pflanzen noch gut aussehen, sind sie bei mir schon schwarz“, so Axel Didt, dem die neue Situation Kopfzerbrechen bereitet. „Man wird sehen, wie es weiter geht“, sagt der Unternehmer mit Blick auf 2014 vage.

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p.jasmer@nordkurier.de

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