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„Man gewöhnt sich dran“

Juliane Schulz ist im dritten Lehrjahr zur Restaurantfachfrau im Hotel am Ring. Sie weiß um die Anstrengungen, die der Job mit sich bringt, aber sie will die Lehre durchziehen.[KT_CREDIT] FOTO: P. Jasmer
Juliane Schulz ist im dritten Lehrjahr zur Restaurantfachfrau im Hotel am Ring. Sie weiß um die Anstrengungen, die der Job mit sich bringt, aber sie will die Lehre durchziehen.[KT_CREDIT] FOTO: P. Jasmer

VonPaulina Jasmer

Eine Ausbildung in der Gastronomie ist kein Zuckerschlecken. Juliane Schulz steht aber täglich wacker ihre Frau und kann sich auch eine berufliche Zukunft in der Branche vorstellen – wenn auch mit Abstrichen.

Neubrandenburg.Zehn weiße Blusen – „mindestens“ – hängen im Schrank von Juliane Schulz. Sie ist vor knapp drei Jahren nach Neubrandenburg gezogen. Wegen ihrer Ausbildung.
Weit weg von Hause kam für sie nicht in Frage. Mit weit weg meint sie zum Beispiel Hamburg. Das wollte die damals 16-Jährige aus Grünz (Landkreis Vorpommern Greifswald) überhaupt nicht. Eigentlich habe sie Physiotherapeutin werden wollen, aber das klappte nicht, erzählt sie. Jetzt ist es eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau geworden
Und die ist schon hart. Ein Wochenende habe sie im Monat frei, wenn überhaupt. Natürlich könne sie aber immer um ein freies Wochenende bitten, das werde dann auch gewährt, räumt Juliane sogleich ein. Ihr Stundenkonto soll ausgeglichen und auch Urlaub in der Hauptsaison möglich sein.
Die heute 19-Jährige arbeitet im Hotel Am Ring in Neubrandenburg. Juliane trägt einen schwarzen Rock, flache Schuhe, die silbernen Ohrstecker sind klein. Sie bezeichnet sich selbst als ruhig, und lächelt ein wenig verlegen. Auf Fragen zu ungewöhnlichen Arbeitszeiten zu Weihnachten oder an Samstagen hat sie immer die gleiche Antwort. Schwer sei es schon, „aber man gewöhnt sich dran“. Und in der Tat: Sie hat sich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt, wenig Freizeit zu haben. Sie hat sich damit arrangiert, Freunden abzusagen, wenn diese feiern gehen. Und ihre beste Freundin Jenny kennt schon oftmals Julianes Antwort: „Leider nein, heute nicht.“ Keine Zeit. Dabei mag es Juliane, nach Hause zu fahren zur Familie in den Ortsteil Grünz. Sie ist gern bei den Pferden ihres Großvaters, verbringt Zeit mit ihnen. An einem Wochenende im Monat.
Trotz der Entbehrungen: Juliane Schulz macht ihre Ausbildung gern. „Ich will sie auch durchziehen“, versichert sie. Klar, die Arbeitszeiten seien nicht immer das Gelbe vom Ei, aber es gebe viele schöne Dinge in ihrer Lehre. Sie findet es zum Beispiel spannend, allein für eine Reisegruppe verantwortlich zu sein. Vorher die Tische einzudecken oder Getränke an den Tisch zu bringen.
Ein wenig Bammel habe sie im Vorfeld der Ausbildung schon gehabt, wegen der Anforderungen, räumt die 19-Jährige ein. Neben Aufgeschlossenheit muss man auch Mathekenntnisse mitbringen. „Da habe ich meine Probleme“, gesteht die Wahl-Neubrandenburgerin. Aber natürlich: „Man gewöhnt sich an Vieles“, und somit auch ans Kopfrechnen, notfalls schreibt sie die Teilsummen untereinander.
Ihre Chefin, Elfrun Scheller, freut sich über engagierte Leute in ihrem Unternehmen, in dem sie geschäftsführende Gesellschafterin ist. „Bislang hatten wir kein Problem mit dem Nachwuchs“, berichtet sie. Sie registriere aber zunehmend, dass die Lehre nicht angetreten werde, weil sich für Jugendliche beispielsweise woanders eine für ihre Begriffe bessere Stelle ergeben habe. Oder aber dass die Leistungen in der Berufsschule nicht ausreichten und deshalb die Ausbildung abgebrochen werde, so Elfrun Scheller, die aufstrebenden Leuten die Chance geben will, Karriere zu machen.
Soweit denkt Juliane Schulz derzeit nicht. Sie hat das Ziel einer abgeschlossenen Berufsausbildung im Blick. Aber in einem riesigen Hotel- oder Gaststättenbetrieb kann sie sich ihre berufliche Zukunft noch nicht vorstellen, doch: In einem kleinen Café zu arbeiten, das würde ihr gefallen. Warum? – Weil es da feste Arbeitszeiten gibt, sagt sie.

Kontakt zur Autorin
p.jasmer@nordkurier.de

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