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Mehr „Stromspargel“ in Seenplatte geplant

VonAndré Gross

Land und Landkreis setzen bei der Energiewende schwerpunktmäßig auf die Windkraft. Es sollen angeblich aber nur neue Anlagen genehmigt werden, von denen die Gemeinden und damit auch die Bürger profitieren.

Neustrelitz.Mit einer „Frontalberieselung“, so einer der Redner vorwarnend, ist der Auftakt zu einem Regionalen Energiekonzept für die Mecklenburgische Seenplatte bis 2030 vollzogen worden. Eingeladen ins Landeszentrum für Erneuerbare Energien (Leea) in Neustrelitz hatte der Regionale Planungsverband, gekommen waren um die 100 Funktionsträger, darunter etliche Bürgermeister und Vertreter von Ämtern, aber auch der Sparkassen und der Wirtschaft.
Die Gemeindeoberhäupter werden im August und September intensiver in die Materie einsteigen. Dann sind Workshops in Neustrelitz, Neubrandenburg, Bollewick, Waren, Stavenhagen und Demmin vorgesehen. Die Beteiligung der weiteren Öffentlichkeit erfolgt 2014, bevor das Konzept Ende des kommenden Jahres dann dem Land zur Absegnung vorgelegt werden soll.
Bei der Umsetzung der Energiewende setzen Land und Landkreis schwerpunktmäßig auf Windkraft, was heißt, dass sich Bürger und Gäste auf den Anblick weiterer „Stromspargel“ gefasst machen müssen. Sowohl Lothar Säwert vom Schweriner Energieministerium als auch Landrat Heiko Kärger (CDU) versicherten aber, dass dabei nichts ohne die Gemeinden entschieden werde. Es seien im Land wie in der Seenplatte genügend Eignungsgebiete ausgewiesen, um die nötigen Spielräume zu haben. Was will die Region, was wollen die Gemeinden, seien dabei zentrale Fragen.
Säwert betonte dies auch in Erwartung „eines schwierigen Diskussionsprozesses, in dem manche psychologische Hürde zu überwinden sein wird“. Gleichwohl sei die Energiewende eine „grandiose Möglichkeit“ für die Entwicklung der Region hinsichtlich Wirtschaftskraft, Arbeitsplätzen sowie der Verbesserung der Einkommenssituation von Gemeinden und Bürgern. Der Ministeriumsvertreter warb unter anderem für interkommunale Zusammenarbeit von Gemeinden und Stadt-Umland-Aktionen. Angesichts des nicht unkomplizierten Verhältnisses zwischen Neubrandenburg und den Altkreisen kam an dieser Stelle Heiterkeit auf.
Auch Kärger, der den Vorsitz im Planungsverband hat, misst neue Windparks daran, „was die Leute davon haben, die hier leben“. Er griff eine Idee aus Kreisen der Landes-CDU auf, Windenergieanlagen in den Rang von Bauwerken zu erheben, was den Vorteil habe, sie dann durch die Gemeinden besteuern zu lassen. Natürlich werde man sich rechtlich absichern.

Der Mensch als ein
„gewaltiges Schutzgut“
Letztlich übte sich Christoph von Kaufmann, Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung der Seenplatte sowie der Geschäftsstelle des Planungsverbandes, in Vorabberuhigung. Der Moderator der Veranstaltung sprach im Zusammenhang mit dem Natur- und Umweltschutz davon, „dass auch der Mensch ein Schutzgut ist, und zwar ein ganz gewaltiges“.
Weitere Vorträge zum Regionalen Energiekonzept, dessen Entwurf nun auch im Internet gelesen werden kann, gerieten sehr theoretisch. Da wurde der praxisnahe Auftritt von Bertold Meyer, Bürgermeister von Bollewick, fast mit Erleichterung aufgenommen. Bollewick ist Modelldorf für eine autarke Versorgung mit erneuerbaren Energien. In der Seenplatte sind bereits 20 Eignungsgebiete für Windkraftanlagen mit einer Gesamtfläche von 2800 Hektar ausgewiesen .www.region-seenplatte.de

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