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Minister stolpert über Kita-„Stolpersteinchen“

Erzieherin Helga Mohr (links) und Praktikantin Carolin Böhmer mit Kindern aus der Kita „Stolpersteinchen“ auf dem Spielplatz.
Erzieherin Helga Mohr (links) und Praktikantin Carolin Böhmer mit Kindern aus der Kita „Stolpersteinchen“ auf dem Spielplatz.

Ein Mädchen aus der „Mäusegruppe" weint fürchterlich. Sie hat ein hochrotes Gesicht. Die Tränen laufen. Die Kleine traut sich einfach nicht, die Memory-Karten umzudrehen. „Sie hat Angst“, sagt Erzieherin Kirsten Grzesko. Endlich fasst das Mädchen Mut und deckt zwei Karten auf. Sie passen zwar nicht zueinander, aber die Kleine hat sich überwunden.

Es sind solch kleine Erfolge, die sich die Erzieherinnen der Kita „Stolpersteinchen“ Tag für Tag erarbeiten. Sie betreuen schwerstbehinderte Mädchen und Jungen ab zwei Jahren. 33 Kinder aus der Viertorestadt und umliegenden Kreisen besuchen die Einrichtung. Es gibt nicht nur ideale räumliche Voraussetzungen, sondern auch einen angemessenen Betreuungsschlüssel: Auf eine Gruppe mit sieben Kindern kommen zwei Erzieher.

Neubrandenburg ist ein Sonderfall

Im Land existieren zwei weitere Spezial-Kitas für Kinder mit schweren Beeinträchtigungen: Güstrow und Neukloster. Der Träger war bis zur Kreisgebietsreform das Land. Neubrandenburg ist ein Sonderfall: Die Kita ist mit 33 Kindern relativ groß. Zudem war sie bislang dem Überregionalen Förderzentrum, der früheren Körperbehindertenschule (KÖS), angegliedert, für die jetzt der Kreis Mecklenburgische Seenplatte zuständig ist. Für die Kita war der gleiche Weg vorgesehen.

Doch schon im Sommer 2012 sorgten Nachrichten von der Übergabe an einen freien Träger für Unruhe. Das böse Wort „Privatisierung“ machte die Runde. Nach einem ersten Protest wurde eine Übergangsfrist bis zum Sommer 2013 eingeräumt, sagt Kita-Leiterin Ilonka Vigohl: „Dann sollen wir vom Landkreis übernommen werden.“ Auch im Landratsamt wird von einem „geordneten Übergang“ zum 1. August ausgegangen.

Eltern bezweifeln, dass freier Träger alles leisten kann

Umso größer die Überraschung, als Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) bei einer SPD-Fraktionssitzung in Neubrandenburg einen freien Träger für die Kita „Stolpersteinchen“ ins Gespräch brachte. Auch solch eine Einrichtung sei über das Kita-Gesetz finanzierbar,sagte er dem Nordkurier.

Das bezweifelt Enrico Herberg, Vater der vierjährigen Melanie, die die Kita besucht. „Es gibt dort sehr gut ausgebildete Mitarbeiterinnen. Das könnte ein freier Träger nie leisten“, ist er überzeugt. Die Kolleginnen befürchten, dass ein freier Träger künftig schwerstbehinderte Kinder ablehnen könnte, weil der Aufwand zu hoch sei.

Vor allem aber würde die Kooperation mit der benachbarten Schule verloren gehen: Sie bietet neben anderen Vorteilen auch die Physiotherapie und das richtige, individuelle Essen für die Kinder. Brodkorb will sich noch einmal in seinem Ministerium zum aktuellen Stand kundig machen und Vater Herberg informieren.

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