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Mit 96 Jahren Nieren und Leber gespendet

Etwa 12 000 Menschen warten nach Angaben von Experten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Alle Krankenversicherten ab dem 16. Lebensjahr sollen künftig regelmäßig gefragt werden, ob sie bereit sind, sich als Organspender registrieren zu lassen. Eine solche Entscheidung erfordert zunächst viele Informationen. Tanja Rögner und Beate Gray vom Infotelefon Organspende – einem Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – haben deshalb Fragen unserer Leser beantwortet:

Kommt man mit 84 noch als Organspender infrage?
Ja, im letzten Jahr war der älteste Spender sogar 96 Jahre alt. Ihm wurden Nieren und Leber entnommen, die immer noch hervorragend arbeiten. Entscheidend ist immer das biologische, nicht das kalendarische Alter.

Unter welchen Voraussetzungen können einem Hirntoten Spenderorgane entnommen werden?
Zum einen muss der Hirntod des Spenders nach den Richtlinien der Bundesärztekammer attestiert worden sein. Das heißt, zwei Ärzte, die nichts mit der Transplantation zu tun haben, müssen unabhängig voneinander den Hirntod zweifelsfrei feststellen. Zum anderen muss für die Entnahme von Organen und Geweben eine
Einwilligung vorliegen – entweder auf dem Organspendeausweis oder die Angehörigen stimmen im Sinne des Verstorbenen einer Entnahme zu.

Wie viele Menschen sterben denn überhaupt am Hirntod?
Jährlich sterben in deutschen Krankenhäusern ungefähr 400 000 Menschen, davon nur etwa ein Prozent am Hirntod. Vom Hirntod spricht man, wenn die Gehirnfunktionen bereits erloschen sind, das Herz-Kreislauf-System aber durch eine Intensivtherapie noch künstlich aufrechterhalten werden kann.

Wie sichert man, dass
bei der Organvermittlung nicht mehr manipuliert werden kann?
In allen Transplantationszentren entscheidet jetzt eine interdisziplinäre Konferenz über die Aufnahme von Patienten in die Warteliste. Damit soll sicher gestellt werden, dass keine Manipulationen von Laborwerten mehr stattfinden können.
An der Konferenz sind mindestens drei Personen beteiligt. Eine von ihnen muss von einer medizinischen Fachrichtung kommen, die keine Verbindung zur Transplantationsmedizin hat, und sie muss dem ärztlichen Direktor der Klinik direkt unterstellt sein.

Wie konnte es zu den Betrügereien bei der Organvermittlung kommen? Haben die Ärzte dafür Geld kassiert?
Bisher sind Manipulationen bei der Vergabe von Lebern bekannt geworden. Es wurden Labordaten der Patienten gefälscht. Der Organvermittlungsstelle Eurotransplant wurde angegeben, dass Leberpatienten eine Blutwäsche (Dialyse) erhalten haben. Patienten, die dialysepflichtig werden, rücken auf der Warteliste weiter nach oben, da neben der Leber auch die Nieren versagen könnten.
Solche Manipulationen sind in den Transplantationszentren Göttingen, Regensburg, München und Leipzig bekannt geworden. Geld ist dabei nicht geflossen.

Wird man als Organspender registriert, wenn man einen Organspendeausweis ausgefüllt hat?
Nein, es genügt, wenn man einen Ausweis ausfüllt und diesen stets bei sich trägt. Dadurch kann man zu jeder Zeit seine Entscheidung zur Organspende ändern. Man sollte aber immer die Familie über den aktuellen Stand informieren.

Ich habe in meiner Patientenverfügung eigentlich ausgeschlossen, dass ich durch Geräte weiter am
Leben erhalten werde. Aber Organspender würde ich schon sein wollen. Wie geht das?
Hierzu wird folgende Formulierung empfohlen: „Ich stimme einer Entnahme meiner Organe nach meinem Tod zu Transplantationszwecken zu. Komme ich nach ärztlicher Beurteilung bei einem sich abzeichnenden Hirntod als Organspender in Betracht und müssen dafür ärztliche Maßnahmen durchgeführt werden, die ich in meiner
Patientenverfügung ausgeschlossen habe, dann geht die von mir erklärte Bereitschaft zur Organspende vor.“

Ich hatte Krebs. Hat es überhaupt Sinn, dass ich mir einen Organspendeausweis besorge?
Ja, denn ob Organe entnommen werden können, entscheidet sich erst im Falle eines Hirntodes. Ist man fünf Jahre nach einer Krebserkrankung gesund, würde nichts gegen eine Spende sprechen. Es ist jedoch sinnvoll, wenn Sie Ihre Erkrankung mit Auftrittsdatum auf dem Ausweis vermerken.

Welche Organe kann man denn überhaupt spenden?
Niere, Herz, Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen, Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes,
des Knorpelgewebes und der Sehnen.

Ist es möglich, nur bestimmte Organe für eine Spende freizugeben?
Ja, Sie können in Ihrem Spendeausweis festlegen, welche Organe oder Gewebe Sie spenden würden und welche nicht. Begründen müssen Sie das nicht.

Weitere Informationen,
Organspendeausweise und
Informationsmaterial können unter dem gebührenfreien Infotelefon Organspende 0800/90 40 400 bestellt
werden. Per E-Mail geht das unter order@bzga.de sowie unter infotelefon@dso.de,
im Internet unter
www.organspende-info.de oder www.dso.de, per Post bei der BZgA, 51101 Köln.

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