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Musik, die an die ersten Knutschereien erinnert

Tenor Björn Casapietra singt bei seinem Gastspiel in Anklam nicht nur romantische Melodien, sondern fühlt sich auch in die Zeit zurückversetzt, als er vor mehr als 20 Jahren in der Stadt eine seiner ersten Lieben traf. [KT_CREDIT] FOTO: Veranstalter
Tenor Björn Casapietra singt bei seinem Gastspiel in Anklam nicht nur romantische Melodien, sondern fühlt sich auch in die Zeit zurückversetzt, als er vor mehr als 20 Jahren in der Stadt eine seiner ersten Lieben traf. [KT_CREDIT] FOTO: Veranstalter

Björn Casapietra (43) bietet bei seinen Musikabenden spanische Rhythmen, italienische Romanzen und Auszüge bekannter Musicalmelodien.
Marcel Auermann sprach mit ihm im Vorfeld seiner Auftritte in der Region.

Wenn man auf Ihren
Tourneeplan schaut,
machen Sie eine richtige Ochsentour durch den
Osten Deutschlands.
Viele Orte sind auf meinen eigenen Wunsch hin auf dem Tourplan. Ich habe vor einigen Jahren spaßeshalber einmal gesagt: „Ich möchte in jedem Ort singen, in dem eine Kirche steht.“ Mir ist einfach aufgefallen, dass wir fünf Mal in Hamburg, drei Mal in Köln oder München aufgetreten sind. Ich dachte mir, dass man nicht immer nur in die großen Orte gehen muss. Irgendwann kennen einen da alle. Es ist einfach toll, auch in die kleinen Orte zu gehen. Im vergangenen Jahr waren wir in 100 Städten und Gemeinden und hatten stets ausverkaufte Häuser. Es gibt nur kleine Sänger, aber keine kleinen Orte. Ich mache keinen Unterschied zwischen einer Groß- und einer Kleinstadt, genauso wenig wie zwischen Ost und West. Wobei ich dazu sagen muss, dass wir im Osten bekannter sind als im Westen.

Wie muss ich mir die
Auswahl der Städte
vorstellen? Sitzen Sie mit einer Deutschlandkarte da und schauen, wo Sie
auftreten wollen?
Mit der Landkarte – das trifft schon zu. Aber es gibt auch noch andere Gründe. Das mag jetzt vielleicht romantisch klingen, aber ich möchte Menschen mit meiner Musik erreichen. Vor einigen Jahren genügte es noch, zwei, drei Fernsehsendungen zu machen, dann sprach sich ein neues Album herum. Die ganzen TV-Shows gibt es nicht mehr, in denen man als Tenor eine Chance hatte. Heutzutage muss man als Künstler zu seinem Publikum gehen. Dabei lerne ich so viel von Deutschland und den Bürgern. Man merkt, wie stolz die Spreewälder etwa auf ihre Gurken sind. Aber man sieht auch, wie der Osten ausstirbt und die jungen Leute fehlen. In den kleinen Orten sind die Menschen dankbar, herzlich. Das ist einfach so wunderschön.

Sie treten weniger in
großen Stadthallen auf. Ihr Tourneeplan führt Sie fast nur in Kirchen. Wieso?
Um ehrlich zu sein: Die Akustik ist einfach grandios. Das gibt es in keiner Stadthalle. Ich spreche da zumindest für unsere Musik. Ich persönlich empfinde Glück und Freude und Dankbarkeit, wenn ich es schaffe, eine Kirche vollzubekommen. Wenn ich ein „Ave Maria“ oder ein „You Raise Me Up“ in der Kirche singe, dann passt das auch. Abgesehen davon, gehen Menschen gerne in Kirchen, sie haben zu ihren Kirchen im Ort eine besondere Beziehung, weil dort eine Taufe, eine Hochzeit der Familie stattgefunden hat. Die Kirche ist näher bei den Menschen als eine Stadthalle. Und ich will mit meiner Musik nah bei den Menschen sein.

Ihr Weg führt Sie in die
Nikolaikirche nach Anklam. Sie verbinden mit der Stadt etwas Besonderes.
Ich hatte einmal eine kleine Affäre, die aus Anklam kam. Ich weiß noch, wie ich dahinkam und wir an jeder Ecke geknutscht haben. Das muss gewesen sein, als ich so 18 oder 19 Jahre alt war. Die Liebe verging schnell, aber die Erinnerungen sind geblieben.

Jetzt kommen Sie also nach mehr als 20 Jahren wieder zurück nach
Anklam. Seither waren Sie nicht mehr dort?
Nein. Und genau deswegen freue ich mich auf Anklam. Ich möchte Anklam erobern. Ich möchte ein Konzert singen, das man nicht mehr vergisst. Und ich möchte die Menschen mit wunderschönen Liedern ein paar Stunden aus dem Alltag reißen, ihnen in die Herzen singen, und nicht nur in die Ohren.

Kontakt zum Autor
m.auermann@nordkurier.de

Björn Casapietra tritt mit „Summer Love Songs – Lieder der Sehnsucht“ am 29. Juni in der Anklamer Nikolaikirche, am 22. August in der evangelischen Kirche in Zinnowitz und am
8. September in der Stadtkirche in Neustrelitz auf.

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