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Muttertag: Überholter Brauch oder wichtiger denn je?

Am Sonntag werden Mütter überall in Deutschland von ihren Kindern beschenkt.  FOTO: Patrick Pleul
Am Sonntag werden Mütter überall in Deutschland von ihren Kindern beschenkt. FOTO: Patrick Pleul

VonYuriko Wahl-Immel

Viele schätzen ihn, manche finden ihn altmodisch, andere wollen den Muttertag nach 90 Jahren abschaffen. Fakt ist: Der Mutterjob ist kein Spaziergang, er kann stressen und krank machen.

Köln.Der Muttertag kommt in die Jahre. Zum 90. Mal werden am Sonntag Mütter überall in Deutschland von ihren Kindern wieder mit Blumen oder Bastelarbeiten beschenkt. Allerdings zweifeln nicht wenige, ob der Brauch noch zeitgemäß ist. Verstaubt und altmodisch, sagen manche. Einige wollen ihn abschaffen. Fest steht: Der Gedenktag lenkt einen Blick auf den Mutterjob. Und der ist kein Zuckerschlecken, kann bei aller Freude und Bereicherung auch stressen und krank machen. Die Anforderungen wachsen.
„Die Belastungen nehmen zu. Es gibt einen Wahnsinnsdruck, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. „Mütter müssen gut aussehen, für den Partner attraktiv bleiben, interessiert sein und möglichst erfolgreich im Job. Und sie sollen die Kinder breit fördern schulisch, musisch und sportlich. Das alles unter Zeitdruck. Schilling weiß: „Viele Mütter haben in einem hohen Maße einen Perfektionsanspruch an sich selbst.“
Ergebnis bei Zehntausenden: Schwere Erschöpfung, Burnout, Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Muskel-Skelett-Erkrankungen, Allergien. „2012 sind 135000 Mütter in unsere Beratungen gekommen, 44000 von ihnen sind mit 64000 Kindern zur Kur in eine unserer Kliniken gekommen.“ Was belastet? Mütter geben an: Mangelnde Anerkennung, ständige Zeitnot, Hauptverantwortung für die Familie, Partnerschaftsprobleme, finanzielle Sorgen, Pflege eines Angehörigen, soziale Isolation. Mütter aller Schichten sind betroffen, betont Schilling. Jede fünfte Mutter bundesweit ist alleinerziehend. Etwa 60 Prozent arbeiten, eine wachsende Zahl pflegt einen Angehörigen. Mütter brauchen mehr Unterstützung, fordert das Genesungswerk.
Der Muttertag habe zwar ein altmodisches Image, bleibe aber sinnvoll. Sie empfiehlt als Präsent: „Einen Gutschein für regelmäßiges Spülmaschine-Ausräumen, eine Konzertkarte oder mal Sportkurs-Angebote raussuchen.“
Nach 90 Jahren spielt der Muttertag noch bei vielen eine Rolle. Von 1001 Müttern, die Forsa aktuell im Auftrag der Zeitschrift „Eltern befragt hatte, gaben 57 Prozent an, ihn in irgendeiner Form zu feiern. 48 Prozent finden ihn schön, „weil er meine Leistung anerkennt.

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