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„Na, dann legt mal los!“

VonAndreas Segeth

Die Neubrandenburger Bau-Regie hat gute, aber auch schwere Zeiten gesehen. Im Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre überwiegt der Stolz auf das Geschaffene. Die Mitarbeiter haben das Stadtbild verändert und geprägt.

Neubrandenburg.Mal angenommen, ein Mieter der Neuwoges bemerkt mitten in der Nacht einen Wasserrohrbruch und er wählt seine Notrufnummer, dann klingelt es nicht bei der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft. Sondern am Bett eines Mitarbeiters der Bau-Regie GmbH. Denn schon lange hat die Neuwoges keine eigenen technischen Mitarbeiter mehr – diese Aufgaben hat die Bau-Regie komplett übernommen.
Wenn das Unternehmen morgen feiert, blicken seine Mitarbeiter auf sehr bewegte 20Jahre zurück, in denen sie das Stadtbild entscheidend mit geprägt haben. Diese bewegte Zeit begann schon mit der Gründung der Firma im Jahr 1993. Erst drei Jahre zuvor hatte sich die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) aus dem staatlichen VEB Gebäudewirtschaft – einst KWV – heraus gegründet.
Wie in vielen anderen Wohnungsverwaltungen auch wurde der technische Bereich im Mai 1993 mit einer eigenen Firma ausgegliedert. Nicht zuletzt hatte das auch tarifliche Gründe, gesteht Geschäftsführer Frank Nötzel ein. Der 52-Jährige leitet die Geschicke der Bau-Regie seit Anbeginn.
Gestartet war man damals mit 83 Mitarbeitern im ehemaligen Kohlekraftwerk für das Vogelviertel in der Bertolt-Brecht-Straße 1c. Später waren es bis zu 130 Beschäftigte, vor allem im handwerklichen Bereich. Ende der 90-er Jahre entstand an der alten Adresse der Neubau, in dem die Firma noch heute zuhause ist.Nur rund zehn Prozent aller Aufträge stammten in den 90-er Jahren von der Neuwoges als 100-prozentiger Gesellschafterin. Die naturgemäß guten Beziehungen zum „Mutterschiff“ nutzten nicht sehr viel. Nötzel kann sich beispielsweise an eine millionenschwere Ausschreibung erinnern, bei der man nur 50Mark über einem anderen Anbieter lag, trotzdem bekam man den Auftrag nicht. Bei der Neuwoges sei man in diesem Punkt hart, aber korrekt geblieben.
Der allgemeine Einbruch der Wirtschaft um das Jahr 2002 herum habe auch bei der Bau-Regie zu schmerzhaften Einschnitten geführt, sagt Frank Nötzel. Die Hälfte der Belegschaft musste damals gehen. Es sei nicht leicht gewesen, die Mitarbeiter und ihre Familien „im Regen stehen zu lassen“.
Vor rund zehn Jahren startete allerdings eine neue Zeitrechnung. Man begann eine Planungsabteilung aufzubauen und auf das Know How von Ingenieuren zu setzen. Der Wendepunkt in der Geschichte der Bau-Regie war ein Auftrag der Neuwoges, ihren Wohnungsbestand in der gesamten Innenstadt zu analysieren, Entwicklungspotenziale aufzuzeigen und Finanzierungsmodelle zu entwickeln. Das Ergebnis sei so vielversprechend gewesen, dass man bei der Neuwoges gesagt habe: „Na, dann legt mal los!“ Seitdem habe man gemeinsam mit verschiedenen Architekten aus Neubrandenburg viele Häuser in der Innenstadt saniert – unter anderem in der Krämerstraße und in der Dümperstraße.
Aber auch die anderen Stadtteile seien von der Bau-Regie geprägt worden – ob nun durch den Umbau von Gewerbeeinheiten zu Wohnungen in der Allendestraße oder die Sanierung der Plattenbauten in der Ahornstraße am Fuße des Lindenbergs. Das mit Abstand größte von der Bau-Regie entwickelte Projekt sei allerdings der Umbau des HKB.
Von den heute 47 Mitarbeitern der Bau-Regie sind 17Leute im handwerklichen Bereich tätig und kümmern sich hauptsächlich um die Belange von Neuwoges-Mietern. 13 von ihnen sind schon länger als 20 Jahre dabei – der älteste sogar seit 37 Jahren. Allerdings haben sich seit 1993 die Schwerpunkte der Firma verschoben: 20 Ingenieure und Betriebswirte haben sich der Projektplanung verschrieben. 90 Prozent der Aufträge kommen heute von der Neuwoges.
Wenn 2002 – die Zeit der Entlassungen – die dunkelste Phase der Firma gewesen sei, dann hätten danach doch die schönen Momente überwogen: „Wenn man heute durch die Neubrandenburger Innenstadt geht und sieht, wo die Mitarbeiter der Bau-Regie überall Spuren an den sanierten Häusern hinterlassen, dann darf man schon stolz sein“, sagt Frank Nötzel.

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