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„Nach 123 Jahren darf man eine Feuerwehr nicht auflösen“

Die Zukunft der Feuerwehr Grischow wird heute Abend ab 19 Uhr bei der nächsten Gemeindevertretersitzung womöglich wieder Thema sein.[KT_CREDIT] FOTO: P. Jasmer
Die Zukunft der Feuerwehr Grischow wird heute Abend ab 19 Uhr bei der nächsten Gemeindevertretersitzung womöglich wieder Thema sein.[KT_CREDIT] FOTO: P. Jasmer

VonAnke Brauns

Gerhard Polley wünscht sich den Erhalt der Grischower Wehr. Das Ehrenmitglied fragt nach Ursachen für die derzeitige Situation.

Grischow.„Nach 123 Jahren darf man eine Feuerwehr nicht auflösen“, findet Gerhard Polley. Dem Grapzower liegt viel daran, dass die aktiven Mitglieder der Grischower Wehr „alle Kraft zur Erhaltung und Neuordnung ihrer Wehr einsetzen und entsprechende Beschlüsse fassen“, wie er sagt. Polley ist seit dem Jahr 2000 Ehrenmitglied der Wehr, hat deren altes, in Sütterlinschrift verfasstes Protokollbuch übersetzt und die Chronik weitergeführt. Deshalb weiß er auch genau, dass die Wehr schon am 21. Juni 1891 gegründet wurde. Seit einigen Jahren sei er aber leider nicht mehr zu Jahreshauptversammlungen eingeladen worden „und die Verbindung ging verloren“. Dass der Wehr nun bis Mitte dieses Monats vom Amt sozusagen ein Ultimatum gesetzt wurde, in Sachen Mitgliederzahl und Ausbildung etwas anzuschieben, weil sonst Stilllegung oder sogar Auflösung droht (der Nordkurier berichtete), kann Polley nicht so recht nachvollziehen. „Ein Amt kann viel sagen, aber die Auflösung kann nur die Mitgliederversammlung beschließen“, meint er mit Blick auf die Satzung. Wenn die Grischower Gemeindevertreter heute Abend tagen, wird sicher auch die Wehr wieder Thema sein.
Gerhard Polley fragt sich nun, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Eine Ursache ist für ihn die Auflösung der Jugendwehr. Wehrchef Udo Batz sah dazu aber seinerzeit keine Alternative. „Unser Jugendwart wechselte zur Wehr in Werder, weil er dort wohnt. Wir hatten nur noch vier Jugendliche und die habe ich nach Werder geschickt, damit sie dort ihre Ausbildung machen“, erklärt er. Leider sei der Nachwuchs dann aber auch dort übernommen worden.
Als weiteren wichtigen Punkt nennt Gerhard Polley den gemeinsamen Austritt von neun Kameraden vor wenigen Jahren. Die erhebliche Schrumpfung der Mitgliederzahl hatte die Wehr in eine Krise geführt. Zur Ursache des Austritts will Udo Batz in der Öffentlichkeit nichts sagen, das sei eher eine persönliche Sache gewesen. Der derzeitige Zustand der Wehr tue ihm im Herzen weh, sagt Udo Batz, der vor gut zwei Jahren schon mal sein Amt zur Verfügung stellen wollte. „Wenn etwas gegen meine Person spricht, gebe ich gern ab und bin nur noch Feuerwehrmann, aber es will ja keiner machen“, sagt er. Wenn es brenne, seien „die Jungs“ da, aber niemand wolle eine Funktion übernehmen oder Ausbildung absolvieren.
Dass es noch Motivation gebe, habe ihm der jüngste Einsatz gezeigt. Die Sache habe sich zwar als Fehlalarm entpuppt, aber von neun gemeldeten Aktiven seien fünf gekommen. Dagegen gab es auf die Einladung zur Versammlung, bei der es um die Zukunft der Wehr gehen sollte, kaum Resonanz. „Obwohl jeder die Einladung im Kasten hatte, kamen nur drei Kameraden und ein Einwohner“, sagt er.

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