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Neubrandenburg gleich nach Chicago

Das Reuterdenkmal fand sich auch auf Postkarten wieder.  repro: H Borth
Das Reuterdenkmal fand sich auch auf Postkarten wieder. repro: H Borth

VonHelmut Borth

Das Reuter-Denkmal
„feiert“ morgen seinen 120.Geburtstag. Seit 1893 steht auch in Chicago eine große Reuter-Statue.

Neubrandenburg.Am 29.Mai hat Reuter Geburtstag, nicht der Dichter Fritz, aber sein Denkmal am Bahnhof in Neubrandenburg. Am 29. Mai 1893 wurde es feierlich enthüllt. Die überlebensgroße Bronzestatue des Dichters war das erste Reuterdenkmal in Mecklenburg.
1890 hatte der Vorstand der Plattdeutschen Vereine Deutschlands zu einem Wettbewerb für die Schaffung eines Denkmals für den Mundart-Schriftsteller aufgerufen. Die Jury hatte unter neun Entwürfen zu wählen und entschied sich für die Arbeit des Berliner Bildhauers Martin Wolff, des einzigen Sohnes des Mecklenburg-Strelitzer Bildhauers Albert Wolff, der 1904 auch die Friedrich-Ludwig-Jahn-Büste schuf, die seit ihrer Einweihung den Beginn der Jahn-straße markiert. Der Granitsockel für das Reuterdenkmal war von der Rostocker Firma Schraep geliefert und bereits am 7. Oktober 1892 am Wall nahe des Bahnhofs aufgestellt worden. 20 Jahre vor der Denkmalweihe hatte Fritz Reuter im Juni 1863 Neubrandenburg in Richtung Eisenach verlassen.
Nur zwei Wochen vor Neubrandenburg war am 14.Mai 1893 ein neun Fuß hohes Reuterdenkmal in Anwesenheit von 50000 Menschen im Humboldt-Park von Chicago eingeweiht worden. Das vom Auswanderer Franz Engelsmann (1859 – 1920) geschaffene Denkmal war eine Auftragsarbeit deutsch-amerikanischer Bürger Chicagos, die meinen, dass an den „preußischen Schriftsteller und Aktivisten“ erinnert werden sollte, der wegen seiner politischen Aktivitäten vom preußischen Staat angeklagt worden und ursprünglich zum Tode verurteilt worden war. Sie hatten 1887 einen Wettbewerb veranstaltet, den Engelsmann gewann. Seine drei Meter hohe Bronzestatue, die in Nachbarschaft von Denkmalen für Goethe, Schiller, Lessing und Humboldt steht, zeigt Reuter, der ein Buch hält. In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden leider die vier bronzenen Zierplaketten vom Sockel des Denkmals gestohlen.
Reuters Geburtsstadt Stavenhagen erhielt erst 1911 sein Reuterdenkmal. Die Ähnlichkeit der von Wilhelm Wandschneider gestalteten Figur, die ebenfalls auf einem Sockel sitzt, ist kein Zufall. Wandschneider war am Anfang der 1890-er Jahre, als Martin Wolff am Neubrandenburger Denkmal arbeitete, dessen Gehilfe in der Berliner Werkstatt.

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