Die Preisspirale dreht sich immer schneller: Die Benzinpreise in Deutschland haben den höchsten Stand aller Zeiten erreicht.
Neubrandenburg.Die Autofahrer an Neubrandenburgs Zapfsäulen sind sauer. Sie müssen schon wieder tiefer in die Tasche greifen. Normales Super-Benzin erreichte gestern mit 1,68 Euro je Liter einen neuen historischen Höchststand. Der Diesel kostete je nach Anbieter in der Viertorestadt zwischen 1,54 und 1,55 Euro je Liter. Für einen Liter Superbenzin E10 waren nach Angaben der Mineralölwirtschaft im bundesweiten Durchschnitt 1,64 Euro zu bezahlen und damit ebenfalls so viel wie noch nie. Auch Heizöl ist mit rund 94 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern) weiter teuer. „Diese Preise tun uns sehr weh“, sagt Ruth Roggow vom Neubrandenburger Taxi-Unternehmen Roggow. Sie würde sich beispielsweise mehr Unterstützung der Industrie- und Handelskammer bei solchen Themen wünschen. „Das sind Wahnsinnspreise und ich sehe kein Ende der Spirale“, sagt auch Wolfgang Tempel, Geschäftsführer der Total-Tankstelle in der Woldegker Straße. Vor einem Jahr knackte man die Marke von 1,50 Euro je Liter, nun werde es sich sicher über 1,60 Euro einpendeln. Viele Kunden würden nur noch für 10 Euro tanken und nichts anderes mehr kaufen, aber „der Shop ist unser eigentliches Geschäft“, betont er. Erklären kann sich Tempel die Preistreiberei nicht. Die Branche begründet die hohen Preise an der Zapfsäule mit den gestiegenen Beschaffungskosten für Ölprodukte am europäischen Markt in Rotterdam, bei gleichzeitig schwachem Euro. „Es gibt eine enorme Nachfrage nach Rohöl, beispielsweise aus den asiatischen Ländern“, erklärt die Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands, Karin Retzlaff. Den Asien-Boom führt auch Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID auf Nachfrage an. Auch der derzeitige „Iran-Konflikt“ spielt nach Einschätzung des Energie-Experten und der Mineralölwirtschaft eine Rolle. Der Ölboykott gegen bestimmte Staaten treibe die Preise nach oben. Außerdem droht der Iran mit der Sperrung der Strasse von Hormus, durch welche ein Fünftel der weltweiten Öltransporte laufen. Zudem haben sich die Spekulationen an den Finanzmärkten verstärkt. Diese Aufregung tue dem Markt nicht gut: „Wenn es keine Beruhigung gibt, wird der Öl-Preis auf einem konstant hohen Niveau bleiben“, sagt Wiek weiter. Der Tipp des ADAC an sparwillige Autofahrer bleibt wie in der Vergangenheit: Nicht nur auf günstigere Wochentage achten, sondern die Preise mehrerer Tankstellen vergleichen. „Wer preisbewusst tankt, spart nicht nur Geld, sondern stärkt auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt“, sagt Matthias Schmitting vom ADAC. Auch der Mineralölverband rät dazu, den Wettbewerb auf dem deutschen Tankstellenmarkt auszunutzen.