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Neuer Bauherr für Schweinemast

VonKirsten Gehrke

Kommen nun Schweine nach Gnevezow oder nicht? Landwirt Peter Rabe wartet noch auf Planungssicherheit. Die gibt ihm das Land bisher offenbar nicht.

Schwichtenberg.Die Pläne für den Bau einer Schweinemastanlage bei Gnevezow liegen zwar auf Eis, aber eingefroren sind sie längst nicht. Statt eines dänischen Investors hat nun der Schwichtenberger Peter Rabe als Betreiber den Bauantrag gestellt. Er bestätigt damit Gerüchte, die in der Gemeinde kursierten. Sein Vorteil: Er ist Landwirt in der Region und kommt nicht von außen.
Damit kann der Teilflächennutzungsplan der Gemeinde Borrentin umgangen werden. Denn in dem werden nur Flächen ausgewiesen für gewerbliche Tierhaltungsanlagen. Der Standort bei Gnevezow gehört nicht dazu. Bauern vor Ort sind privilegiert, wenn sie Tiere halten wollen.
Rabe sieht einen entscheidenden Unterschied zwischen landwirtschaftlicher Tierhaltung, wie es seine ist, und gewerblicher. Von Riesenanlagen wie in Alt Tellin halte er nichts, betont er. Bei Gnevezow handelt es sich um 4000 Mastplätze, die entstehen sollen. Doch das wird noch dauern.
Im Grunde geht es um Ackerflächen, die der Bauer behalten möchte. 80 Hektar hat er über die Landgesellschaft vom Land Mecklenburg-Vorpommern gepachtet. Agrarminister Till Backhaus (SPD) habe nun gesagt, wer die Flächen behalten will, müsse Tierproduktion betreiben. Hintergrund seien dramatisch reduzierte Tierbestände im Land seit der Wende. Mecklenburg-Vorpommern habe den niedrigsten Bestand in Deutschland. Das habe Backhaus am Wochenende in Neubrandenburg bei einer Veranstaltung der Ebert-Stiftung gesagt, als es um „Tierschutz in der Nutztierhaltung“ ging. Seien 1989 noch 1,3 Millionen Rinder und 2,7 Millionen Schweine gehalten worden, gebe es heute 511 000 beziehungsweise 850 000. Dem habe das Land entgegen wirken wollen. Die Landwirte sollten wieder dafür begeistert werden, mehr Tiere zu halten. Doch die Förderung lockte Investoren von außen an, die sich im Land ansiedeln wollten.
Rabe weiß, dass die Emotionen beim Thema Schweinemast hochkochen und es auch gegen das Vorhaben bei Gnevezow Proteste gab. Trotzdem verteidigt er seine Pläne. Seiner Meinung nach kann er damit nachhaltig produzieren. Was die Pflanzen beim Ackerbau dem Boden entziehen, müsse wieder hinzugefügt werden, wie wichtige Mineralien. Aus dem Stall vor Ort kann er sich den Dünger mit der Gülle (Wasser, Urin und Kot) holen. Warum dann Exkremente von woanders kaufen? Klar funktioniere das nur, wenn die Gülle auf genügend Flächen ausgebracht werden kann, ohne Schaden anzurichten.
Seit fünf Jahren läuft die Planungsphase für einen Stall bei Gnevezow. Der dänische Investor habe gemeinsam mit der Gemeinde Borrentin nach einem Bauplatz gesucht. Als der gefunden war, habe er die Flächen von der Landgesellschaft vor vier Jahren gekauft. Doch während der Anhörung und Planung sei ihm unmissverständlich mitgeteilt worden, dass er nicht erwünscht sei. Bürger hatten sich dagegen aufgelehnt, das Staatliche Amt für Umwelt und Landwirtschaft (Stalu) habe daraufhin das Verfahren ruhen gelassen. Doch die Planungen waren schon so weit gediehen, dass sie nicht in der Schublade verschwinden sollten. „Der Investor hat gesehen, dass er hier nicht weiterkommt“, sagt Rabe. „Deshalb haben wir gesagt, dann stellen wir den Bauantrag als Betreiber.“ Das war vor etwa einem Dreivierteljahr. Sonst wären ihm die Flächen vom Land gekündigt worden. Denn eine Kaufbedingung sei es gewesen, dass auf den Flächen Tierproduktion betrieben wird.
Im Moment sieht es der Schwichtenberger nicht, dass der Bau des Stalles genehmigt wird. „Dieses und nächstes Jahr wird nichts passieren, weil wir keine Planungssicherheit haben.“ Erst müssten sich die drei Schweriner Ministerien für Landwirtschaft, Wirtschaft und Justiz zusammensetzen und die Voraussetzungen schaffen. Derzeit sei da nichts in Sicht. Kein Mitarbeiter des Stalu werde vorher einen Bescheid erstellen, der ihm um die Ohren gehauen werden könnte. Auch keine Bank werde ein Projekt finanzieren, das noch zwei Jahre nach Anlauf der Produktion ausgesetzt werden kann. Rabe erinnert dabei an zwei Fälle bei Ludwigslust und Greifswald, als Ställe nach dem Genehmigungsverfahren zwar gebaut, aber nach einem Bürgerbegehren und Klagen geschlossen wurden. Er wünsche sich, wenn Landwirte und Gegner von Tierhaltung aufeinander zugehen und sachlich diskutieren würden.
Wie das Vorhaben bei der Gemeinde ankommt, wird sich vielleicht auf der nächsten Sitzung am 6. Juni klären. Da beschäftigen sich die Abgeordneten wieder mit dem Teilflächennutzungsplan.

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k.gehrke@nordkurier.de

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