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Notdienstpraxis als neue Anlaufstelle in Viertorestadt

VonJörg Franze

Wer am Wochenende krank wird, kann entweder den kassenärztlichen Notdienst anrufen oder ins Klinikum gehen, muss sich dort aber mitunter auf lange Wartezeiten einrichten. Doch eine neue Idee, von der sowohl Patienten als auch die Ärzte selbst profitieren könnten, verspricht Abhilfe.

Neubrandenburg.Bessere Hilfe bei gesundheitlichen Problemen: Die niedergelassenen Ärzte Neubrandenburgs wollen mit einer sogenannten Notdienstpraxis demnächst eine neue Anlaufstelle bieten, die am Wochenende und an Feiertagen Patienten mit Beschwerden zur Verfügung steht. Der Probebetrieb soll voraussichtlich im Juli beginnen, die Praxis werde sich in den Räumlichkeiten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Ärztehaus an der Marienkirche befinden, teilte Dr. Viktor Harsch, ehrenamtlicher Leiter der Kreisstelle Neubrandenburg der KV, mit.
Für Patienten habe dieses zusätzliche Angebot den Vorteil, dass sie im Rahmen der ausgewiesenen Sprechzeiten der Praxis eigenständig einen Arzt konsultieren könnten und damit schneller medizinische Hilfe erhalten, als wenn sie auf einen Hausbesuch warten oder die mitunter stark frequentierte Notfallambulanz des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums aufsuchen müssten. Die damit verbundenen Wartezeiten hatten zuletzt für Kritik gesorgt.
Die niedergelassenen Ärzte versprechen sich laut Harsch von der Idee vor allem eine Entlastung des Hausbesuchsdienstes, der nach wie vor über die bundesweit einheitliche Notrufnummer 116117 angefordert werden kann. Auch die Notfallambulanz des Klinikums könne profitieren, wenn Patienten mit weniger schweren Erkrankungen die neue Praxis aufsuchen und damit nicht mehr die Behandlungskapazitäten in der Ambulanz auslasten würden.
Die Sprechzeiten der Notdienstpraxis sind nach Angaben des KV-Kreischefs im ersten halben Jahr an Sonnabenden sowie an Sonn- und Feiertagen auf 10 bis 13 und 16 bis 18 Uhr beschränkt. Anmeldeschluss soll grundsätzlich eine halbe Stunde vor Sprechstundenende sein. Etliche Ärzte hätten bereits signalisiert, sich an diesen zusätzlichen Diensten zu beteiligen. Die Praxis im Ärztehaus werde allerdings nur über eine Grundausstattung verfügen und der Basisversorgung dienen, bei notwendigen detaillierten Untersuchungen, z. B. erforderlichen Röntgenaufnahmen, müsste weiterhin auf die Notfallambulanz des Klinikums zurückgegriffen werden.
Das Modellprojekt könne aber nur funktionieren, „wenn die Patienten mit diesem Service verantwortungsvoll umgehen und es nicht als zusätzliche Sprechstunde auffassen, um eine Zweitmeinung zu bekommen“, mahnte Harsch. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es in Orten wie Rostock, Schwerin oder Wismar bereits gute Erfahrungen mit derartigen Notdienstpraxen, die sehr gut angenommen würden.

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