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Obama als Komiker der Nation

Zum Scherzen aufgelegt: US-Präsident Obama bei einem Gala-Essen.  FOTO: PETE MAROVICH
Zum Scherzen aufgelegt: US-Präsident Obama bei einem Gala-Essen. FOTO: PETE MAROVICH

VonFriedemann Diederichs

Beim traditionellen Gala-
Dinner des Washingtoner Pressekorps nimmt der US-
Präsident sich selbst und andere auf die Schippe. „Ich habe einen von Michelles Tricks versucht“, verrät er dem geneigten Publikum.

Washington.Vor drei Wochen verärgerte US-Präsident Barack Obama viele Frauen im Land, als er die Kalifornierin Kamala Harris als „bestaussehende Generalstaatsanwältin“ bezeichnete. Vor allem Feministinnen stöhnten auf und warfen ihm vor, ein Sexist zu sein, der Frauen nach ihrem Aussehen beurteile. Obama entschuldigte sich schnell – doch am Wochenende konnten er und die Gäste des traditionellen Korrespondenten-Dinner über diese Episode vor allem lachen.
Dass Barack Obama komisch sein kann und sich gerne öffentlich auf die Schippe nimmt, ist in Washington kein Geheimnis. Am Wochenende hatte Obama vor dem Medienkorps den Berufskomiker Conan O’Brian als Konkurrenz – und schlug sich vor den Live-Kameras zweier US-Sender tapfer. Zum Beispiel, als er auf sein Wandlung nach viereinhalb Jahren Amtszeit mit einem Seitenhieb auf rechte Republikaner anspielte: „Ich bin nicht mehr der stramme muslimische Sozialist, der ich einmal war“, scherzte das Staatsoberhaupt unter Verweis auf die bösartigen Unterstellungen des Wahlkampfs.
Beim letzten Osterfest im Weißen Haus habe er, der sportlich ambitionierte, zudem 22mal auf den Basketballkorb geworfen und nur zweimal getroffen – worauf ihn der Sender NBC gefragt habe, was denn sein Erfolgsgeheimnis sei.
Auch die Berichterstatter von CNN, die zuletzt durch mehrere Falschmeldungen bei den Bombenanschlägen von Boston Aufsehen erregt hatten, bekamen ihr Fett weg. „Ich bewundere das Engagement von CNN, alle Seiten einer Story zu beleuchten, für den Fall, dass eine Seite akkurat ist“, lästerte er. Was seine zweite Amtszeit angeht, versprach Obama den Gästen eine „radikale Agenda“ und zeigte ihnen eine Ausgabe des Magazins „Senioren Freizeit“ mit ihm selbst als Golfer auf dem Titelbild in einer Fotomontage.
Doch am Ende des Abends gab sich der Präsident dann mit Blick auf die jüngsten Tragödien im Land für einige Minuten ganz ernst. Er erinnerte an die Anschläge von Boston und die Explosion in der Stadt West in Texas, wo in einer Düngemittelfabrik 14Menschen starben. Die Ersthelfer an beiden Orten hätten ihr Leben riskiert und sollte alle inspirieren, ihr Leben nach den gleichen Standards zu leben.

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