Di. 12. Juni 2012
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Leute von Redaktion

Offene Diskussion und Engagement für eine buntere Welt

Von unserer Mitarbeiterin
Amanda-Morena Wawra

Im Stadtbild fallen sie auf, erregen Anstoß. Bei einem „Punx Picnic“ haben Jugendliche sich gegen Nazis positioniert.

Neubrandenburg.Ja, sie sammeln sich. Verstört mustern die Neubrandenburger die Bunten, mit Nieten übersäten Gestalten auf dem Marktplatz. Dass das hier nur ein Zwischenstopp ist, wissen die wenigsten… Währenddessen wird im AJZ, dem Alternativen Jugendzentrum in der Seestraße, Zelt für Zelt aufgeschlagen. Zwischen professionellen Camp-Ausrüstungen und improvisierten Stangengerüsten – dort wo noch ein kleines Fleckchen Wiese
übrig bleibt, machen es sich Punks mit Kofferradio, Speisen und Getränken gemütlich. Zwar ohne Decke und Körbchen, aber doch zur Genüge ausgerüstet für ein ordentliches „Punx Picnic“. Bereits am Donnerstag war der Hof vom alten „Onkel Willi“ sehr belebt und die ersten Instrumente wurden die Treppen hoch in den kleinen Konzert-Saal getragen. Dieser erste Abend sollte hauptsächlich den Neubrandenburger Punk-Bands gehören. Den Startschuss gab die Band „Verwahlost“, gefolgt von „Public Agony“, „Gehacktes“ und andere Bands aus MV. Es bedurfte nicht viel Zeit, bis der ganze Saal in Bewegung war.
Wer vom Pogen und Tanzen nun völlig erledigt war, konnte bei einer Schüssel veganem Goulaschs auf der Terrasse wieder Kräfte schöpfen, ein Auge bereits auf die vollgepackten Infostände auf dem Gelände werfend. Hier wurden Fanzines, Flyer und Sticker von Antifa-Organisationen bis hin zu Flüchtlingsunterstützenden Aktionen wie dem Medibüro angeboten. Hinter den Tischen jeweils zwei bis drei Ehrenamtliche, die Auskunft zu ihrem Material geben.
Auch Jakob gehört dazu. „Was hier auf dem Tisch liegt, ist alles nach dem Motto: ,Make it yourself‘ gemacht. Mit den Fanzines versuchen wir verschiedene Kulturen und Krisengebiete zu unterstützen, indem wir über sie berichten und auf sie aufmerksam machen. Und wir wollen natürlich unsere lokale Szene auf diesem Event vertreten. Wir sind aus Prenzlau angereist und hoffen, dass unsere Sachen gut angenommen werden“, erklärt er, während er die CDs und Hefte neu ordnet.
„Wir sind wirklich überwältigt von der großen Zahl an Besuchern“, versichert „Schimmel“, Hauptorganisator des Picnics. „Alternative Jugendliche aus allen Richtungen hat es für diese vier Tage nach Neubrandenburg gezogen. Das haben wir vielleicht auch ,Total Chaos‘, einer Band aus der USA, zu verdanken, da diese in Deutschland nur an die drei Konzerte gibt“, erklärt er. „Am Samstag rollte sogar noch ein Reisebus aus Dänemark vor das AJZ und machte mit einer Gruppe Dänen unser Picnic zusätzlich um einiges bunter.“ Doch auch andere Bands, wie „Feine Sahne Fischfilet“, „Vitamin X“ und „We are Idols“, die sich bereits einen Namen in der Szene gemacht haben, brachten ihre Fans mit.
Um die Gehörgänge zumindest am Tage etwas zu schonen, standen kleine Spiele, ein Punkquiz und sogar zwei Liedermacher auf dem Programm. Am Freitag- und Samstagabend konnte dafür sowohl im AJZ als auch auf der Open Air Bühne, wieder lauter Punk genossen und Meinung kundgetan werden. Sänger der Band „Knock out Ratten“, genannt Inge, sah in diesem Festival vor allem auch eine Möglichkeit, auf die starke Neonaziszene in seiner Heimatstadt Anklam aufmerksam zu machen. „Sobald es dunkel wird, traut sich dort kein Punk mehr allein auf die Straße, da er ständig Gefahr läuft, in gewaltsame Konfrontation mit einer Gruppe Rechtsextremer zu geraten. Deshalb müssen wir mit allen Mitteln versuchen damit an die Öffentlichkeit zu gelangen“.
Auch Julia (23) aus Greifswald ist froh darüber, dass sie hier ganz sie selbst sein darf. Äußerlich deuten allerdings nur leicht rötlich-schimmernde Haare auf ihre alternative Lebenseinstellung hin. „Es ist einfach wichtig, dass man hier offen mit den Leuten diskutieren kann und mit dem Picnic eine Plattform zum Austausch geboten wird“, sagt sie. Allerdings braucht es immer viel Zeit, bis solch ein Event auf die Beine gestellt ist „Wir haben schon vor einem dreiviertel Jahr mit der Organisation begonnen. Wir wollten ein gemütliches Treffen ohne kommerziellen Hintergrund“, fügt „Schimmel“ hinzu. Viele helfende Hände und flinke Beine engagierter Jugendlicher aus dem AJZ huschten während der vier Tage über das Gelände und sorgten für eine bleibende, angenehme Atmosphäre.
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