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Oststädter wünschen sich ein Zentrum

Von unserem Redaktionsmitglied
Ingmar Nehls

Es ist das größte Viertel der Stadt. Dennoch fühlen sich seine Bewohner etwas vernachlässigt. Das Stadtteilbüro will das Engagement der Bürger stärken. Bei der Planungsrunde für thematische Spaziergänge kommen viele Ideen auf den Tisch.

Neubrandenburg.Was der Oststadt fehlt, ist ein Stadtzentrum. „Ein Platz, wo man sich nach Feierabend trifft. Jetzt gehen doch alle zum Einkaufen in das Kaufland, oder das Lindetal-Center und verschwinden danach wieder in ihren Wohnungen“, sagt Klaus-Jürgen Brennführer. Der Rentner wohnt schon fast 40 Jahre in der Oststadt. Auch die anderen in der Runde haben die Entwicklung des größten Stadtviertels Neubrandenburgs über Jahre als Anwohner miterlebt.
Sie sind in das Stadtteilbüro gekommen, um sich mit Ideen einzubringen, wie der Bezirk wieder lebenswerter werden kann. Heidrun Hiller und Siringa Petzold wollen mit interessierten Bürgern thematische Stadtspaziergänge durch die Oststadt vorbereiten und durchführen. Welche Themen dabei eine Rolle spielen könnten, wurde jetzt beim ersten Treffen besprochen.
Heidrun Hiller, die den Abend leitet, staunt nicht schlecht, welche geballter Sachverstand am Tisch Platz nahm. Da ist beispielsweise der pensionierte Apotheker Helmut Raedel, der viele, viele Jahre die Viertorestadt fotografierte und einige tausend Zeitungsartikel gesammelt hat. Ein paar Bände seines Materials hat er gleich zum Treffen mitgebracht.
Auch Klaus-Jürgen Brennführer interessiert sich für Stadtentwicklung und Fotografie. Er hat einen Band über den ersten Plattenrückbau auf dem Datzeberg erstellt. Der ehemalige Neuwoba-Mitarbeiter kennt das Stadtteilbüro auf dem Datzberg. „Ich würde hier gern mitmischen“, bietet er an.
Ursula Jäger ist sogar extra aus Cölpin zu dem Treffen gekommen. Bis 1997 hat sie beim Wohnungsbaukombinat (WBK) Neubrandenburg gearbeitet. Die Schülergaststätte war ihr erstes Projekt. Die WBK-Ecke am Tisch wird vervollständigt durch Uta und Siegfried Heinze. Das Ehepaar darf sich mit Recht als Erstbewohner der Oststadt bezeichnen. Sie wohnten bereits 1966 in einer Bauleitungsbaracke am Rande der jetzigen Oststadt. Damals war das Viertel noch ein großes Feld. Ihre Plattenbauwohnung haben sie gekauft. Die Oststadt liegt ihnen am Herzen. Die letzte Amtshandlung von Siegfried Heinze war übrigens der Bau des Lindetal-Centers vor 20 Jahren.
Das Ehepaar erinnert an die Pläne, die Studenten der Hochschule gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Dehne für die Oststadt entwickelt haben. Die Ideen wurden mit Anschauungstafeln und Modellen in einem Ladenlokal des Lindetal-Centers ausgestellt. Darunter gab es auch den Vorschlag, die Regionalschule nicht abzureißen, sondern als „Kulturschloss“ zu nutzen. Ein Kino für Kenner, Nachbarschaftshaus, Jugendklub – dies könnte alles dort einziehen.
Dass es Anwohner gibt, die sich einbringen wollen, freut auch den Vorsitzenden des Oststadtvereins, Thomas Möller. „Die Oststadt ist ein alter Stadtteil geworden“, sagt Möller. Viele von denen, die in den 70-er Jahren eingezogen sind, wohnen auch heute noch da. Die Kindergeneration ist oft aber der Arbeit hinterhergezogen. Für Heidrun Hiller und Siringa Petzold hat der erste Treff viele Anregungen gebracht, die zum Teil in thematische Spaziergänge einfließen werden, zum Teil aber auch zu anderen Projekten führen können. Im Mai 2012 hat das Büro im Etagenhochhaus Juri-Gagarin-Ring 2 seine Türen geöffnet. Ein vergleichbares Stadtteilbüro gibt es auf dem Datzeberg. Dort ist Tom Liebelt seit Jahren ein wichtiger Ansprechpartner für die Anwohner und Vereine.
Von seinem Erfahrungsschatz können Siringa Petzold und Heidrun Hiller profitieren, dennoch unterscheidet sich die Arbeit, denn die Oststadt als Stadt in der Stadt ist anders als der Datzeberg, allein schon durch die wesentlich größere Fläche und die dreifache Anzahl an Einwohnern. Das Stadtteilbüro ist unter der Telefonnummer 0395 77824688 zu erreichen. Bürozeit ist dienstags von 10 bis 12 Uhr donnerstags von 16 bis 18 Uhr.

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i.nehls@nordkurier.de

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