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Polizei zeigt Kunst aus dem Knast

Für die Jugendlichen war der Graffiti-Workshop mit Cornelia Kestner eine gute Möglichkeit, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Aber auch die Erwachsenen nutzen die Kunst dazu.  FOTO : Susann Moll
Für die Jugendlichen war der Graffiti-Workshop mit Cornelia Kestner eine gute Möglichkeit, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Aber auch die Erwachsenen nutzen die Kunst dazu. FOTO : Susann Moll

VonSusann Moll

Neubrandenburger und Neustrelitzer Häftlinge gestalten gemeinsam eine Ausstellung. In ihren Werken und in einem Interview kommen Gefühle der Gefangenen zum Ausdruck.

Neubrandenburg. Er ist 38 Jahre alt. Mehrmals saß er im Gefängnis wegen Diebstahl, Hehlerei und Betrug. Gelernt hat er Fleischer und Koch. Auch in der Justizvollzugsanstalt Neubrandenburg steht er tagtäglich in der Küche und bereitet das Essen für andere Häftlinge zu.
Vor seiner letzten Verhaftung im Oktober vergangenen Jahres war er allerdings als Tätowierer tätig. Um sich die Fingerfertigkeiten, die er für diese Arbeit braucht, zu erhalten, zeichnet er im Gefängnis. Ein paar Bilder will er nach seiner Haft als Vorlage für Tattoos anbieten. Andere Werke von dem 38-Jährigen sind seit Mittwoch in der Ausstellung „Kunst hinter Gittern“ zu sehen, die von der Polizeiinspektion Neubrandenburg im Rahmen des „BlauArt“-Projektes gestaltet wird.
Nicht nur Häftlinge aus der JVA Neubrandenburg haben ihre Bilder für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Auch Werke von Gefangenen aus der Jugendanstalt Neustrelitz sind in der oberen Etage der Polizeiinspektion zu sehen. Die Kunsttherapeutin Cornelia Kestner hat mit den jugendlichen Straftätern einen Street-Art-Workshop gestaltet mit dem Ziel, die Bilder in dieser Ausstellung zu präsentieren. Dies sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Cornelia Kestner. Nur fünf Termine standen ihr zur Verfügung, um den Jugendlichen die Graffiti-Kunst nahezubringen. „In einem Bild gibt man immer etwas über sich selbst preis“, erklärt die Neustrelitzer Künstlerin. Junge Menschen dazu zu bringen, benötige schon einige Zeit.
Der künstlerische Kurs war freiwillig und die Motivation der Häftlinge, daran teilzunehmen, ganz unterschiedlich. Einige wollten etwas Neues lernen, andere hatten schon Erfahrungen im Bereich Graffiti. Wie ein junger Mann, der wegen Sachbeschädigung durch Graffiti in der Jugendanstalt sitzt. Er hatte besonders Spaß an dem Workshop und steuerte das größte Bild zur Ausstellung bei.
Nach seiner Entlassung habe er das Ziel, im Grafik-Bereich zu arbeiten, erzählt Andrea Hanke, stellvertretende Leiterin der Jugendanstalt Neustrelitz. Solche Projekte seien ganz wichtig, um den Jugendlichen die Möglichkeit von Erfolgserlebnissen zu geben. „Und für manche eröffnet sich dadurch eben eine Zukunftsperspektive“, so Andrea Hanke. Aber auch für die erwachsenen Straftäter der JVA Neubrandenburg sei es eine gute Motivation, kreativ tätig zu werden. „So können sie zeigen, dass sie nicht nur schlecht sind, sondern auch eine gute Seite haben“, erklärt Ines Zeckert von der JVA.
So knapp die Zeit auch war, Cornelia Kestner hat versucht den Jugendlichen eine andere Sichtweise zu vermitteln. „Ich habe ihnen Werke von anderen Künstlern gezeigt und wie diese ihre Probleme in der Kunst verarbeitet haben“, so die Neustrelitzerin. Die Kunst kenne keine Tabuthemen, alles kann in Bildern ausgelebt werden. Es sei jedoch wichtig, dass es dabei bleibt.
Für viele Straftäter stellt das aber ein Problem dar. Oft sind sie sich ihrer Lage bewusst und wollen sich auch ändern. So wie der 38-Jährige Insasse der JVA Neubrandenburg. In einem Interview, welches im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist, zeigt er sich sehr einsichtig. Er vermisst seine Freundin und ein normales Leben in Freiheit. Könnte er die Zeit zurückdrehen, würde er alles anders machen. „Der Knast formt einen halt“, sagt er. Und doch wurde er nach mehrmaligen Gefängnisaufenthalten, nicht nur in Neubrandenburg, immer wieder straffällig.
Das Interview sowie die Kunstwerke der Häftlinge sind Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 15 Uhr in der Polizeiinspektion Neubrandenburg in der Darrenstraße 3 zu sehen. Es sind jedoch nach Abspracheauch Besuche und Führungen außerhalb der normalen Besuchszeiten möglich.
Telefon 0395 55825002

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s.moll@nordkurier.de

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