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Radeln auf dem Boulevard: SPD und Grüne sind dafür

Unser Fotomodell hat sich nur für das Bild auf das Fahrrad gesetzt. Ansonsten schob der vernünftige junge Mann sein Rad![KT_CREDIT] FOTO: Segeth
Unser Fotomodell hat sich nur für das Bild auf das Fahrrad gesetzt. Ansonsten schob der vernünftige junge Mann sein Rad![KT_CREDIT] FOTO: Segeth

VonAndreas Segeth

So fix, wie die Fraktion sich das vorstellt, geht es allerdings nicht. Bevor das umstrittene Verbot auch nur teilweise aufgehoben werden kann, müssen erst die Öffentlichkeit und Schwerin gefragt werden.

Neubrandenburg.Wie sehr den Neubrandenburgern das Thema Radfahren auf dem Boulevard auf den Nägeln brennt, ist spätestens seit unserer Nordkurier-Umfrage zu dieser Frage offenbar geworden.Mehr als 1500 Leser haben sich im vergangenen November beteiligt, 60 Prozent sprachen sich damals für eine Öffnung der Turmstraße für Radfahrer aus.
Die Fraktion der SPD und Grünen in der Stadtvertretung will nun Nägel mit Köpfen machen und hat eine Beschlussvorlage für die Stadtvertretung erarbeitet. Sie fordert, dass in den verkehrsarmen Randzeiten von 18 bis 10 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen die Turmstraße für das Radfahren freigegeben wird. Das legendäre und seit langem umstrittene Schild mit dem Text „Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad. Anderen ist es verboten!“ soll ersatzlos entfernt werden.
Abends, nachts und morgenswerde der Boulevard so wenig benutzt, dass die Gefährdung für Fußgänger nur gering sei, heißt es in der Begründung. Allerdings sollte man mit Schildern darauf hinweisen, dass die Radfahrer in diesem Bereich besonders sorgsam fahren sollten. Ein Verbot des Radfahrens in diesen wenig genutzten Randzeiten sei für die Bürger nicht nachzuvollziehen und schon deshalb aufzuheben.
Die Brisanz des Themas zeigte sich auch darin, wie leidenschaftlich es von Gegnern und Befürwortern im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss diskutiert wurde. Ausschussvorsitzender Marco Messner (CDU) schlug einen Kompromiss vor: Man sollte die Regelung für einen gewissen Zeitraum testen. Zudem brauche man eine Regelung bei Veranstaltungen wie dem Weberglockenmarkt. Kilian Schneider (Grüne) zeigte sich kompromissbereit, so auch für eine Änderung der konkreten Uhrzeiten.
Vize-Oberbürgermeister Harald Walter indes machte auf ernste rechtliche Hürden aufmerksam. So dürfe die Stadt allein gar nicht entscheiden. Die Turmstraße sei als Fußgängerzone gewidmet, allein deshalb sei Fahrradverkehr ausgeschlossen. Um das aufzuheben, sei ein längeres Verwaltungsverfahren nötig – inklusive öffentlicher Auslegung. Am Ende entscheide das Innenministerium. Für den Antrag benötige man auch Zahlen und Fakten als Grundlage. Deshalb sei im Juni eine Verkehrszählung auf der Turmstraße geplant. Ende Juli wird der Stadtentwicklungsausschuss das Thema dann erneut behandeln. Dann werden SPD/Grüne einen neuen Antrag stellen, kündigte Kilian Schneider schon an.

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a.segeth@nordkurier.de

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