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Sauer macht böse!

„Paula!“, rief die Mutter. Paula stöhnte, was war denn nun schon wieder? Sie hatte gerade angefangen, ein neues Buch zu lesen und das war so spannend. Widerwillig ging sie in die Küche, wo ihre Mutter gerade das Abendbrot zubereitete. „Paula, Schätzchen, sei doch so lieb und geh in den Keller und hole bitte ein Glas saure Gurken. Die magst du doch auch so gerne.“ Ja, das stimmte, Paula liebte saure Gurken, aber sie hasste es, in den Keller zu gehen. Die Mutter drückte ihr den Kellerschlüssel in die Hand und schob sie sanft vor die Wohnungstür. „Beeil dich, Süße!“
Und schon schloss sich die Wohnungstür direkt vor Paulas Nase. Da stand sie nun. Im Hausflur war es etwas kühler als in der Wohnung, langsam ging sie die Treppe hinunter. Sie hasste den Keller. Dort war es immer kalt und dunkel und es roch immer so eigenartig, wie in einer Gruft. Sollte sie nicht einfach umkehren? Und ohne Gurken nach Hause kommen? Aber sie wusste, dass ihre Mutter es nicht verstehen würde, sie würde sicher denken, dass sie einfach keine Lust hätte. Meistens stimmte es ja auch, aber dieses Mal hatte sie wirklich Angst.
Paula steckte den Schlüssel in die Brandschutztür, hinter der sich die Keller der einzelnen Mieter befanden. Diese große schwere Eisentür ließ sich nur schwer öffnen, mit aller Kraft stemmte sich Paula dagegen. Sie schaffte es nur, die Tür einen Spalt zu öffnen. Mit der einen Hand hielt sie die Tür, mit der anderen suchte sie nach dem Lichtschalter, der sich im Inneren neben der Tür befand. Da sie ihn nicht finden konnte, trat sie einen Schritt in den dunklen Raum, dabei vergaß sie die Tür festzuhalten.
Mit einem Quietschen schloss sich die Brandschutztür und Paula stand völlig im Dunklen. Panisch suchte sie die Wand nach dem Lichtschalter ab. Wieder ohne Erfolg. „Ruhig bleiben! Ruhig bleiben!“, redete sie sich selber gut zu. Hatte sie da nicht eben ein Geräusch gehört? Eine Gänsehaut breitete sich auf ihrer Haut aus. Ihr Knie stieß plötzlich gegen etwas Hartes, erschrocken wich sie zurück. Handelte es sich hierbei um einen Kellerzwerg, der sie festhalten wollte? Bei diesem Gedanken schauderte es sie. Sie stellte sich vor, wie ein alter Mann mit langem weißen Bart, nicht höher als 50 Zentimeter, ihren Unterschenkel umklammerte und sie nicht mehr loslassen wollte. Schnell versuchte sie, die Brandschutztür zu öffnen und davonzulaufen.
Aber da war jetzt ja der Lichtschalter. Sie drückte ihn. Schloss aber auch die Augen aus Angst, den Zwerg zu sehen, der ihr Bein umklammert hielt. Sie merkte, wie es im Kellergang hell wurde, traute sich aber nicht sofort die Augen zu öffnen. Nachdem es ein paar Sekunden ruhig geblieben war, öffnete sie erst das rechte und dann das linke Auge. Und da stand … einfach nur ein Fahrrad.
Erleichtert atmete Paula auf und lehnte sich erschöpft an die Wand. Inzwischen war sie schweißgebadet und ihr war gar nicht mehr kalt. „Jetzt noch schnell das Glas Gurken holen und dann nichts wie raus hier! Für heute reicht es mir!“, flüsterte Paula zu sich selbst: Die dritte Kellertür war ihre. Aber was war das? Auf dem Boden des Kellers lag ein kaputtes Gurkenglas. Das Gurkenwasser hatte einen großen runden Fleck gebildet, in dessen Mitte ein Gemisch aus Gurken und Scherben lag. Ein Geruch von Essig lag in der Luft. „Wenigstens riecht es jetzt nicht mehr nach Gruft!“, dachte Paula, „aber wie ist das passiert?“ Alle Gläser standen in korrekter Reihenfolge mit gleichem Abstand zum Regalrand. Das Glas konnte also niemals von alleine aus dem Regal gefallen sein. Und die letzten Personen, die hier im Keller waren, sind ihre Eltern gewesen und wenn ihnen so etwas passiert wäre, hätten sie es niemals so liegen lassen. „Das ist ein typischer Fall von Saure-Gurken-Monster“, sagte plötzlich eine Stimme hinter ihr.
Erschrocken drehte sich Paula um …

Philine Mirsch aus Wulkenzin
(11 Jahre alt)

Die Geschichte um Paulas Erlebnisse im Keller ist noch viel, viel länger. Wer wissen will, wie es weitergeht, sollte am 27. April um 20.15 in die Thalia-Buchhandlung im Marktplatz-Center zur Preisverleihung kommen, wenn die junge Autorin selbst aus ihrer Geschichte vorliest.

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