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Schuhe und Bettwäsche für Kinder besonders gefragt

Andrea Radloff (l.) hilft Ursula Röske bei der Anprobe einer Weste. Die Rentnerin guckt in der Kleiderkammer öfter nach Sachen für sich und ihre Enkel. [KT_CREDIT] FOTO: A. Brauns
Andrea Radloff (l.) hilft Ursula Röske bei der Anprobe einer Weste. Die Rentnerin guckt in der Kleiderkammer öfter nach Sachen für sich und ihre Enkel. [KT_CREDIT] FOTO: A. Brauns

VonAnke Brauns

Seit auch ein anderer Anbieter Container im Stadtgebiet aufgestellt hat, bleiben der Kleiderkammer deutlich weniger Textilien.

Altentreptow.„Oh ja, es hat abgenommen, sonst waren die Regale proppenvoll.“ Für ihren neunjährigen Sohn sucht eine arbeitslose Altentreptowerin in der Kleiderkammer nach Unterwäsche, Jogginghosen und anderen Kleidungsstücken. Neue Sachen seien ihr oft zu teuer, sagt die dreifache Mutter. Andrea Radloff, die die DRK-Kleiderkammer betreut, bestätigt, dass das Angebot an Kleidung „rapide abgenommen“ hat. Vor allem durch die neuen bunten Altkleidercontainer, die ein anderer Anbieter im Stadtgebiet aufgestellt hat, lande deutlich weniger in den sechs DRK-Containern.
Besonders gebraucht werden derzeit Schuhe, auch für größere Kinder. „Danach wird immer gefragt und auch oft nach Kinderbettwäsche, aber die haben wir sehr selten“, sagt Andrea Radloff. Alle möglichen Sommersachen für Kinder und Erwachsene und Kleidung in größeren Größen für Männer und Frauen seien ebenfalls willkommen. Viele Kunden suchen gleich für mehrere Familienmitglieder etwas. So wie Sabine Kulow, aus Tützpatz die nach kurzen Oberteilen für sich, aber auch nach Kleidung für Sohn und Enkeltochter schaut. „Am Anfang ist es immer eine Überwindung, aber warum? Einer allein trägt die Sachen gar nicht ab“, sagt sie. Sabine Kulow kommt auch zum Helfen zum DRK. Andrea Radloff weiß, wen sie bitten kann, wenn am Verladetag mehrere Hände gebraucht werden. Und sie weiß auch, welches Kleidungsstück zu welchem Stammkunden passen könnte. So hilft sie Ursula Röske, die für sich und ihre Enkel nach Sachen guckt. „Das ist ja keine Sünde. Sünde ist, wenn Leute das wegschmeißen“, sagt die 80-Jährige.
Weggeschmissen wird auch nichts, was in den neuen bunten Containern landet, sagt Lüder Schulz, Geschäftsführer des Unternehmens Inprocon, dem die Behälter gehören. Rund 70 Prozent der Textilien werde weiter getragen, gehe in den Handel oder auch an karitative Einrichtungen, erklärt er. Zuvor werden die Sachen in unternehmenseigenen Betrieben bei Koblenz oder in den Niederlanden sortiert. Was nicht mehr getragen werden könne, verarbeite man zu Fasern für die Produktion von Ökotextilien, nur ein ganz geringer Teil gehe in die thermische Verwertung, so Schulz. Andrea Radloff vom DRK bezweifelt nicht, dass das Unternehmen die Textilien und Schuhe ordentlich weiterverwertet, „aber für unsere Leute ist es schlecht“, sagt sie mit Blick auf das schrumpfende Angebot in der Kleiderkammer.

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a.brauns@nordkurier.de

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