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Senioren ziehen eine Dusche vor

VonKarl-Heinz Engel

Riesenandrang bei der Neuwoges: Der Beratungstag zum alten- und behindertengerechten Wohnen hat Hunderte Mieter in die Heidenstraße gelockt.

Neubrandenburg.Das Foyer im Neuwoges-Bürohaus, Heidenstraße 6, war dem Publikumsansturm kaum gewachsen. Der Mieterberatungstag zum seniorengerechten und barrierefreien Wohnen weckte das Interesse unzähliger Neubrandenburger. Eindeutiges Indiz dafür, dass das Durchschnittsalter der Stadtbewohner erheblich angestiegen ist und der Bedarf von entsprechendem Wohnraum zunimmt. Das bestätigte auch Neuwoges-Geschäftsführer Frank Benischke. „Wir haben mittlerweile 3500 Wohnungen auf irgendeine Weise altersgerecht umgerüstet. Die Altersstruktur der Mieter sagt uns aber, dass wir noch mehr unternehmen müssen, damit sie sich auch im Alter wohlfühlen“, erklärte Benischke. In 20 Jahren würden immerhin 50 Prozent der Einwohner das Seniorenalter erreicht haben.
Die Besucher überzeugten sich in den Ausstellungsräumen davon, dass sich auch jahrzehntelang genutzte Wohnungen wunschgemäß modifizieren lassen. Vorrangiges Veränderungsobjekt ist das Bad. Für die in der Stadt am häufigsten gebauten Wohnungstypen WBS 70 und „Brandenburg“ hatte Neuwoges deshalb einige Gestaltungsvarianten, so mit unterfahrbarem Waschtisch, höhenverstellbarer Toilette und trittsicheren Fußböden, entwickelt. „Wir werden mit der Zeit immer unbeweglicher und möchten unsere Badewanne durch eine Dusche mit tiefem Einstieg ersetzten lassen“, sagte Jürgen Reichel aus der Hufelandstraße. Auch müsste der Balkonübertritt heruntergesetzt werden. Helga und Alois Korceba interessierten sich vor allem für eine Badewanne mit behindertengerechtem Ein- und Ausstieg. „Leider wird sich diese Art bei uns im Vogelviertel nicht einbauen lassen“, meinte die auf einen Rollstuhl angewiesene Helga Korceba.
Augenmerk legt die Wohnungsgesellschaft auch auf die soziale Betreuung. Diakonie und Caritas kümmern sich darum. Eine Neuwoges-Sozialarbeiterin hilft zudem bei der Beantragung von Pflegestufen. Wie Frank Benischke weiter informierte, werden im Hochhaus Clara-Zetkin-Straße 53 gegenwärtig zwei betreute Wohngemeinschaften für je neun demente Mieter geschaffen. Die oben gelegene Begegnungsstätte soll dafür ins Erdgeschoss ziehen und damit auch anderen Mietern aus der Südstadt nutzbar gemacht werden, berichtete Susanne Jeske, Gruppenleiterin Soziales. Angeboten werden vom Wohnungsunternehmen neuerdings auch mobile Notruftelefone und „Medikamentenrufer“. Die erinnern Mieter an die rechtzeitige Einnahme von Arzneien.

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