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Seriöser Nachmieter für Feldlager dringend gesucht

Das Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Kundus. Etwa 250 Millionen Euro wurden in die Infrastruktur des Camps investiert. Bis zum Winter muss ein Folgenutzer her. [KT_CREDIT] Foto: Can Merey
Das Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Kundus. Etwa 250 Millionen Euro wurden in die Infrastruktur des Camps investiert. Bis zum Winter muss ein Folgenutzer her. [KT_CREDIT] Foto: Can Merey

VonCan Merey

250 Millionen Euro Steuergelder sind in das Feldlager Kundus geflossen. Doch was geschieht mit dem Lager, wenn die Bundeswehr im Herbst abzieht? Die afghanische Seite schlägt zum Beispiel vor, aus der raketensicheren Kantine einen Hochzeitssaal zu bauen.

Kundus.Das Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Kundus ist Ausweis deutscher Gründlichkeit. Die Kantine – ein grauer Betonklotz – ist raketensicher. Die Straßen sind asphaltiert und sauber. Strom kommt rund um die Uhr aus Generatoren. Klimaanlagen und Heizungen sorgen in allen Gebäuden für stets angenehme Temperaturen.
Etwa 250 Millionen Euro hat Deutschland in die Infrastruktur des Feldlagers investiert, aus dem die Bundeswehr im Herbst abziehen will. Noch ist offen, wie die Afghanen das Camp weiternutzen werden. Die Zeit wird knapp: Ohne Folgenutzer würde die Infrastruktur im harschen Winter verfallen.
Zwar wird die Bundeswehr Waffen, gepanzerte Fahrzeuge und anderes Material mitnehmen, das in der Heimat benötigt wird. Das Camp an sich – das weitgehend auf Land steht, das dem Agrarministerium in Kabul gehört – wird aber wie vertraglich vereinbart an die Afghanen übergeben werden. Der deutschen Seite wäre am liebsten, afghanische Sicherheitskräfte, deren Ausbildung sich die Bundeswehr auf die Fahne geschrieben hat, würden der Truppe nachfolgen. Die endgültige Entscheidung über die Nutzung des Areals nahe dem Flughafen außerhalb von Kundus-Stadt fällt aber im Präsidentenpalast in Kabul. Der von Präsident Hamid Karsai ernannte Provinzgouverneur Mohammad Anwar Dschegdalek säße dort am liebsten selbst – in unmittelbarer Nachbarschaft zum großen Geldgeber Vereinte Nationen. Dass er dann mehrere Kilometer weit entfernt von den Bürgern säße, die er vertreten soll, ficht ihn nicht an. Die Stadt wachse und rücke langsam näher an das PRT heran, sagt er.
Die deutsche Seite hält eine Übernahme durch den Gouverneur nicht für die beste Lösung, ist aber froh, dass eine andere Idee der Afghanen beerdigt wurde – wonach man die Kantine in eine „Wedding Hall“, einen kommerziellen Hochzeitssaal hätte umwandeln können.

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