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Sieben Stunden in der Notaufnahme

Weil er eine Thrombose nicht ausschließen kann, rät der Hausarzt die Notaufnahme aufzusuchen.
Weil er eine Thrombose nicht ausschließen kann, rät der Hausarzt die Notaufnahme aufzusuchen.

So geht man nicht mit Notfallpatienten um, macht Rosemarie Lach in einer Zuschrift an den Nordkurier ihrem Ärger Luft. Ihre Mutter und sie seien sehr erbost über die Notfallambulanz des Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer- Klinikums.
Der Sachverhalt: Mitte Mai meldet Rosemarie Lach ihre Mutter gegen 12.45 Uhr bei der Notfallambulanz an. „Es sollte auf Anraten des Hausarztes eine Thrombose ausgeschlossen werden“, berichtet sie. „Um 19.45 Uhr konnten wir dann endlich das Klinikum mit der freudigen Gewissheit verlassen, dass keine Thrombose vorliegt.“

Während der sieben Stunden ihres Aufenthaltes wurden lediglich zwei Blutentnahmen, eine Ultrallschalluntersuchung und eine Untersuchung durch das Notfallpersonal vorgenommen. Mehrmaliges Nachfragen half nichts. Ob sie keine Zeit habe, wurde ihre Mutter daraufhin vom Arzt gefragt. „Ist es zumutbar, eine 77-jährige Frau sieben Stunden warten zu lassen?“ Bei aller Rücksicht auf Notfälle und Kinder, die natürlich vorgehen, sicherlich wohl nicht, meint Rosemarie Lach. Nach einer ähnlichen Erfahrung am Ostersonnabend glaubte sie noch an einen Einzelfall, so die Neubrandenburgerin. Jetzt sei sie eines besseren belehrt worden.

Notfälle sind nicht kalkulierbar, heißt es bei Nachfrage im Klinikum. Wie viele Patienten kommen, welche Krankheiten und Verletzungen zu behandeln sind, kann niemand vorhersehen. „Es können völlig unerwartet viele Patienten zur gleichen Zeit kommen. Insbesondere Patienten mit nicht lebensbedrohlichen, leichteren Erkrankungen müssen wir in diesem Fall um Geduld bitten.“ Die Behandlungsreihenfolge leite sich aus der Dringlichkeit des individuellen Falles ab. Schwerste Fälle bekommen nach dem ersten Kontakt ein Rot. Gelb sind die gekennzeichnet, die eine schnelle Versorgung benötigen. Grün bekommen die Behandlungen, die keine akute Gefahr in sich bergen.
Nach Aussage des Klinikum können Zeitverzögerungen auch durch Analysen von Blutwerten und durch zusätzliche Untersuchungen sowie das Hinzuziehen von Spezialisten entstehen. Eine erst kürzlich durchgeführte Analyse habe aber ergeben, dass Patienten sich im Durchschnitt zwei Stunden und 14 Minuten in der Notfallaufnahme aufhalten.

Wenn sich die Behandlung verzögere oder der Einzelne mit seiner Behandlung nicht zufrieden sei, können Patienten das Beschwerdemanagement nutzen, bietet das Klinikum an. In der zentralen Notfallaufnahme liegen entsprechende Vordrucke im Wartebereich aus.

 

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