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Spiele(n) im Beruf – ein Traum?

Lisa Hartwich beim Brainstorming: Hier macht sie sich Gedanken bezüglich des Themas Factory.
Lisa Hartwich beim Brainstorming: Hier macht sie sich Gedanken bezüglich des Themas Factory.

VonJosephine Templer

Groß ist der Ansturm der Bewerber auf das Studienfach Gamedesign. Lisa Hartwich will es schaffen, einen Platz zu erhalten. Darauf bereitet sie sich vor – intensiv.


Neubrandenburg.Wie Lisa Hartwich auf die Idee kam,
Gamedesign studieren zu wollen, weiß sie gar nicht. Dafür weiß sie aber, warum: „Der Studiengang Game-
design fügt einfach alles zusammen was ich mag und kann.“ So hat ihr Wunschstudium etwas mit Kunst zu tun, enthält Mathematik, aber auch Informatik. Gamedesign umfasst den gesamten Prozess der Computerspiel-Entwicklung. „Natürlich spiele ich auch gerne, da bietet es sich an, das Hobby zum Beruf zu machen.“ ergänzt die Gymnasiastin lachend.
„Ganz früher wollte ich mal Jura studieren“, erzählt Lisa. Nach einem Praktikum merkte sie jedoch, dass Jura und sie überhaupt nicht zusammenpasstn.
Studieren möchte sie
Gamedesign an der HTW-Universität in Berlin, der einzigen staatlichen Universität, die ihr Studienfach anbietet. Entsprechend begehrt sind die 40 Studienplätze. Im vergangenen Jahr bewarben sich laut Lisas Informationen über 400 Personen. Diesmal rechnet sie sogar mit mehr Bewerbern: „Die Uni hat in diesem Jahr mehrere Webcasts durchgeführt. Schon beim ersten haben mindestens eintausend eingeschaltet.“
Momentan sitzt die Abiturientin des Neubrandenburger Albert-Einstein-Gymnasiums an ihrer Bewerbung für die Berliner Uni. Bewerben müssen sich die Interessierten mit einer Art Hausaufgabe zu einem vorgegebenen Thema. Das ist in diesem Jahr „Factory“, also Fabrik. Die Schwierigkeit dabei versucht Lisa zu erklären: „Man darf an das Thema nicht zu klischeehaft herangehen. Es wird erwartet, dass man ab-strakt arbeitet, aber auch nicht zu abstrakt.“
Nach einem intensiven Brainstorming ist sich Lisa nun aber sicher, dass sie eine gute Idee hat. Inspiriert wurde sie von Aldous Huxleys Roman „Brave New World“ („Schöne neue Welt“). Die Welt der 19jährigen spielt in einer Zukunft, in der Gentechnik die wichtigste Rolle spielt. Schon nach der Geburt werden die Menschen speziell unterschieden und ausgebildet. Außerdem wird ihnen gleich nach der Geburt ein maschinelles Herz eingesetzt. „Meine Hauptperson findet ein Tagebuch aus unserer Zeit“, erzählt Lisa. Die Hauptperson entwickelt den Wunsch, dass alles wieder so wird, wie es früher war. Er sucht sich Verbündete und will das Regime stürzen.
Zunächst verfolgte Lisa die Idee den Moment zu gestalten, in dem die Hauptperson zum ersten Mal in die Fabrik gelangt, in der die Menschen hergestellt werden. Schließlich entschied sie sich aber, einen Charakter aus ihrer Welt in 3D zu gestalten. „Wichtig ist bei der Umsetzung vor allem, dass man sich auf das konzentriert, was man bereits kann“, weiß die Gymnasiastin. Für das Setting, dazu zählen beispielsweise Ort und Zeit, müsse man gut recherchieren. Das geschriebene Konzept muss die eigene Kreativität deutlich machen.
Letztendlich wird ihre Bewerbung aus einem Endentwurf, ein paar Skizzen und begrenzten Texten bestehen: „Die Professoren nehmen sich pro Bewerbung zirka 10 Minuten, deshalb darf man nicht zu sehr ausschweifen.“
Als Frau hat Lisa bei Computerspielen auch mit einigen Klischees zu kämpfen: „Ein sehr verbreitetes Klischee besagt, dass Frauen vor allem RPGs (Rollenspiele, d. Red.) spielen. Hauptsächlich spiele ich die zwar auch, aber durch meinen Freund bin ich auch zu Egoshootern gekommen, obwohl ich früher dachte, das wäre totaler Quatsch.“
Bei einem guten Computerspiel muss auch die Grafik nicht immer total toll sein: „Das Spiel muss einfach mitreißen und Spaß machen, dann ist alles andere ein bisschen zweitrangig.“
An ihrem Studienwunsch gefällt ihr vor allem der große Praxisanteil. So konnte sie bei ihrem Unibesuch Studentenarbeiten aus dem ersten Semester begutachten, die ihr sehr gefielen.
Für ihre Leidenschaft Kunst findet sie in ihrer Freizeit leider nur noch selten Zeit. Trotzdem wollte die Gymnasiastin nicht Kunst studieren: „ Nach einem Kunststudium bist du meist selbstständig und entweder schaffst du es oder du schaffst es nicht. Das wäre nichts für mich.“
In den letzten Monaten hatte sie sich statt auf Kunst vor allem auf ihr Abitur konzentriert, bei dem sie einen 1,5-Abschluss anstrebt. „Das zählt beim Gamedesign aber gar nichts“, schränkt Lisa ein. „Wenn es dort einen numerus clausus gäbe, würde der bei 1,1 liegen.“
Hunderte werden sich wohl auf die 40 Studienplätze bewerben. Eine Ablehnung ist da auch bei den besten Bewerbungen nicht auszuschließen. Lisa hat aber einen Plan B. „Wenn Game-design nicht funktionieren sollte, möchte ich Soziale Arbeit studieren. Das ist zwar etwas ganz anderes und hat auch nichts mit Kunst zu tun, aber ich kann es mir gut vorstellen.“ Diese Zuversicht schöpft sie unter anderem aus einem Praktikum im Kindergarten. „Das wäre für mich keine Arbeit. Ich würde mich freuen, wenn ich morgens aufstehe.“ Außerdem würde sie dann in Neubrandenburg bleiben. Das sei für sie praktisch, da sie in ihrem Umkreis bleiben würde und keine neue Wohnung suchen müsse. Bezüglich der Sozialen Arbeit würde sie sich auch gerne auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie spezialisieren. Wenn sie dann Therapien mit Kunst und Medien machen würde, könnte sie auch hier wieder ihre Leidenschaft zum Beruf machen…
Bevor es jedoch so weit kommt, wird Lisa noch einige Zeit an ihrer Idee feilen und schließlich gespannt auf die Einschätzung der Professoren warten. Denn vielleicht gehört sie ja zu den 40 Bewerbern, die ab September Game-Design in Berlin studieren können.

Kontakt zur Autorin
red-neubrandenburg@nordkurier.de

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