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Sterbebegleitung darf kein Tabu sein

VonFrank Wilhelm

„Wie wollen wir sterben?“ Die Frage wird die Gesellschaft in den kommenden Jahre bewegen.
Sie steht aber auch im Mittelpunkt einer Tagung in Alt Rehse.

Alt Rehse.Dr. Rainer Stommer hat es geschafft, einen illustren Kreis von Medizinern und Politikern in das Dörflein Alt Rehse (Mecklenburgische Seenplatte) am Tollensesee zu locken. Die ehemalige Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin (SPD) wird anreisen und morgen einen Vortrag zur Rechtslage und zu ethischen Grundsätzen von Euthanasie, Sterbehilfe und Palliativmedizin halten. Mit Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, kann man über die internationale Diskussion zum Thema Sterbehilfe und -begleitung debattieren. Schließlich hat Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Schirmherrschaft inne über die Konferenz „Euthanasie – Palliation – Sterbebegleitung“. Die internationale Tagung findet am Freitag und Sonnabend im ehemaligen Limnologischen Institut in Alt Rehse statt. Bislang haben etwa 80 Gäste zugesagt.
Euthanasie, so Stommer, war ursprünglich positiv besetzt. Die Medizin verstand darunter bis ins 19. Jahrhundert hinein den „guten Tod“, eine „Sterbebegleitung, wie wir heute sagen würden“, erklärt er. Erst Anfang des 20.Jahrhunderts wurde unter dem Begriff mehr und mehr die Vernichtung angeblich „lebensunwerten Lebens“ verstanden, bis hin zum Massenmord an Behinderten in der Nazizeit. Hier schließt sich der Kreis zum Tagungsort: Alt Rehse steht historisch vor allem für die Führerschule der deutschen Ärzteschaft (1935–1943), in der Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen entsprechend der Naziideologie weltanschaulich geschult wurden. „Im Zentrum der Tagung steht aber natürlich die aktuelle Diskussion zum Thema Sterbehilfe“, sagt Stommer. Im Kern geht es um die Frage: „Wie wollen wir sterben“ – so auch der Titel des Vortrags von Prof. Klaus Dörner aus Hamburg.
Vor allem angesichts der älter werdenden Bevölkerung und absehbarer Engpässe in Pflegeeinrichtungen könne man sich der Debatte schwerlich entziehen. Vor dem Hintergrund der Vergangenheit würden sich die Deutschen im Gegensatz zu Schweizern und Holländern schwer tun mit der öffentlichen Diskussion zu dem Thema.
Anmeldungen für die Tagung unter Telefon: 03962221123 oder
Mail: info@ebb-alt-rehse.de

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