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Stettiner hilft Neubrandenburgern beim „Knacken“ des Geburtenknicks

Keine Leute, keine Leute! Geht für eine Neubranden- burger Heizungs- und Sanitärfirma jetzt jedes zweite Geschäft in die Binsen, weil der Chef wegen des Geburtenknicks einfach keinen Nachwuchs findet und er Nachfragen absagen muss? Nein, denn der Chef weiß sich zu helfen. Wie – darüber sprach Hartmut Nieswandt mit Adam Grendziak vom Haus der Wirtschaft in Stettin.

Auf welche Weise können Sie als Stettiner Geschäftsleuten aus der Viertorestadt bei Problemen solcher Art helfen?
Das Haus der Wirtschaft Stettin bietet in der Handwerkskammer Neubrandenburg und in den anderen Kammern des Landes regelmäßig Ländersprechtage an. Dort können sich Handwerksunternehmen kostenlos beraten lassen. So wie jetzt die genannte Heizungs- und Sanitärfirma,die die günstige Lage auf dem polnischen Arbeitsmarkt nutzt.

Und wie besorgen Sie dem Firmenchef aus der Viertorestadt in Stettin und Umgebung Hilfe?
Wir suchen bei uns Subunternehmen, die deutsche Firmen bei der Realisierung von Aufträgen unterstützen. Zum Beispiel unterhalten wir bei uns am Haus der Wirtschaft eine Kooperationsbörse. In der werde ich sofort nachsehen, ob ich geeignete Partner finde, um Geschäftsbeziehungen anzubahnen.

Die Ländersprechtage des Hauses der Wirtschaft sind kostenlos für die Unternehmen. Wer trägt die Kosten?
Träger des Hauses ist die Industrie- und Handelskammer zu Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Hinzu kommen verschiedene Projektpartner, unter anderem die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern.

Wer neben der Heizungs- und Sanitärfirma war außerdem zu Gast beim jüngsten Sprechtag in Neubrandenburg?
Eine Tischlerei, deren Chef Fenster und Türen aus Polen beziehen will, weil diese Erzeugnisse dort günstiger sind. Diese Produkte will er hier in Deutschland verarbeiten. Außerdem kam der Vertreter eines Neubrandenburger Metallbaubetriebs.

Gibt es Firmen, die sozusagen bereits Stammkunden bei Ihnen sind?
Ja, zum Beispiel der gerade genannte Metallbaubetrieb. Mit seinen Vertretern arbeiten wir schon seit fünf Jahren zusammen, er ist schon aktiv auf dem polnischen Markt, präsentiert sich dort zum Beispiel auf Messen.

Umfasst das Angebot des Hauses der Wirtschaft noch mehr als den Ländersprechtag?
Viel mehr. Zum Beispiel die bereits genannte Kooperationsbörse. Auch mit branchenabhängigen Treffen helfen wir deutschen Unternehmen, auf dem polnischen Markt Fuß zu fassen. Hinzu kommen themenbezogene Seminare des deutsch-polnischen Wirtschaftskreises, die einmal im Monat in Stettin stattfinden.

An welcher Stelle können sich interessierte Geschäftsleute in aller Ruhe und unverbindlich über all diese kostenlosen Angebote informieren?
Bei der Industrie- und Handelskammer in Neubrandenburg, bei der Handwerkskammer in Neubrandenburg, unter www.hwk-omv.de oder www.neubrandenburg.ihk. de. Außerdem können sich Interessierte gern im Haus der Wirtschaft in Stettin unter 0048914860773 melden.

Wer neben Ihnen sind weitere Ansprechpartner im Haus der Wirtschaft?
Malgorzata Stopa und Krystian Stopa. Auch sie sind hoch qualifizierte Wirtschaftsberater und sprechen sehr gut deutsch.
Auch Sie beherrschen Deutsch perfekt, wo haben Sie das gelernt?
Als ich Kind war, zogen meine Eltern mit mir aus Polen nach Konstanz am Bodensee. Ich bin also in Deutschland aufgewachsen.

Dennoch gingen Sie zurück in Ihre Heimat.
Richtig, das wollte ich so, wenngleich meine Eltern in Deutschland blieben und meine Schwester nach Paris ging. 1997 nahm ich in Stettin mein Studium auf: Germanistik mit der Fachrichtung Wirtschaftsdeutsch.

Gleich mit dem Ziel auf Ihre heutige Arbeit?
Nein, ich wollte Lehrer werden – und jetzt bin ich Wirtschaftsberater und Dolmetscher. Und ich bin glücklich in diesem Beruf, auch wenn ich viel unterwegs sein muss.

Haben Sie bereits eine Familie gegründet?
Ja. Ich lebe mit meiner Frau und unserem fünfjährigen Sohn Karol in der Nähe von Stettin. Karol wächst zweisprachig auf, ich finde es schön, dass die Grenzen eine immer unwichtigere Rolle spielen und den jungen Leuten alle Wege in Europa offenstehen.

Viele Deutsche fahren nur mal rüber nach Polen um billig einzukaufen…
Das ist schade. Polen bietet viel mehr als das. Das Land endet nicht am Benzindorf Linken, in dem viele Besucher kehrtmachen nach dem Tanken. Man denke allein an Stettin, einem Ballungsgebiet mit rund 600000 Einwohnern, das sind ein Drittel so viele Menschen wie im gesamten Mecklenburg-Vorpommern. Und allein in Stettin gibt es so viel Kultur, so viele Sehenswürdigkeiten. Ich lade also nicht nur die Geschäftsleute in meine Heimat ein, sondern alle Gäste.

Also nicht nur zum Einkaufen.
Nein, natürlich nicht. Es ist nicht mehr so, dass bei uns alles günstiger zu haben ist, viele Lebensmittel und Textilien sind inzwischen teurer. Was ich für viel wichtiger halte, ist die Gastfreundschaft.

Kontakt zum Autor
h.nieswandt@nordkurier.de

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