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Stoppsignal schockiert Ola-Team

Züge der Ola fahren unter anderem auf den Linien Ueckermünde-Neubrandenburg-Bützow und Neustrelitz-Stralsund.
Züge der Ola fahren unter anderem auf den Linien Ueckermünde-Neubrandenburg-Bützow und Neustrelitz-Stralsund.

„Diese Nachricht aus heiterem Himmel hat die Kollegen kalt erwischt“, sagt Joachim Borrmann. Von den 150 Mitarbeitern der Ostseeland Verkehr (Ola) GmbH habe niemand damit gerechnet, dass der französische Mutterkonzern Veolia das Signal auf Rot stellen würde, berichtet der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Nach Angaben der Branchengewerkschaft EVG hatte die Firmenzentrale in Paris der Ola-Spitze untersagt, sich an der Ausschreibung für die Bahnstrecke Ueckermünde Pasewalk-Neubrandenburg-Bützow zu beteiligen(wir berichteten). Damit würden die Ola-Züge in eine ungewisse Zukunft rollen, weil der Verkehrsvertrag für die Stammstrecke des privaten Bahnanbieters mit dem Land endet.

Schon kurz vor Abgabeschluss für die Ausschreibung am 15. Juni habe er ein „komisches Gefühl“ gehabt, weil sich nichts getan habe, gibt Borrmann zu. Dabei seien die Unterlagen im Unternehmen vorbereitet worden. Eine Mitarbeiterversammlung habe dann die Gewissheit gebracht, dass Veolia auf der Bremse stehe. Bisher habe es immer geheißen, dass die Bahnnetze, die befahren werden, im Bestand gehalten werden sollen, so der Chef der Arbeitnehmervertretung. Von einem Stopp auf der Strecke wäre laut Borrmann insbesondere der Standort Neubrandenburg mit rund 100 Beschäftigten betroffen.

Der Frust bei den Kollegen sitze besonders tief, weil die Ola im Veolia-Konzern als Vorzeigebetrieb gelte. „Mit Bordküche und Kundenbegleitern hat die Ola beim Service Maßstäbe gesetzt“, sagt er. Das habe zu vielen positiven Reaktionen von Fahrgästen geführt. „Die Kollegen stehen immer noch hinter der Firma“, schätzt Borrmann ein. Inzwischen sei der Konzernbetriebsrat in Berlin und die Arbeitnehmervertretung der EVG im Aufsichtsrat eingeschaltet worden – in der Hoffnung, den Entschluss der Zentrale noch zu kippen. „Wir nutzen alle Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen“, so Borrmann. Allerdings wolle er keine falschen Hoffnungen wecken, dass die Ola gerettet werden könne.

Das Dilemma des Betriebsratschefs: Der geltende Verkehrsvertrag der Ola für ihre Stammroute endet in diesem Dezember. Der neue (oder alte) Anbieter geht vertraglich gebunden erst zwei Jahre später an den Start. Borrmann hofft, dass in der Zwischenzeit die Ola trotz des Wirbels um die Ausschreibung die Linie weiter im Landesauftrag befahren darf. Bleibe Veolia hart, werde vor allem Zeit benötigt, für die Kollegen der Ola möglichst viel rausholen zu können. Das habe bei der verlorenen Ausschreibung für die Märkische Regiobahn geklappt. Alle Beschäftigten seien beim Nachfolger untergekommen.

Über die Gründe des Mutterkonzerns, auf eine Ausschreibung zu verzichten, mag Borrmann nicht spekulieren. Andreas Schmidt, Geschäftsstellenleiter der Eisenbahnergewerkschaft EVG in Mecklenburg-Vorpommern, glaubt, die Motive von Veolia zu kennen. Der Konzern wolle möglicherweise seine Verkehrssparte verkaufen. Deswegen wolle man offenbar auf nötigen Investitionen in neue Züge verzichten, um mit besserer Zahlenbilanz dazustehen. Stellungnahmen zu diesen Plänen und zum Thema Ausschreibung waren von Unternehmensseite nicht zu erhalten.

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