Februar 2, 2012
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Konflikte von Torsten Heil

Streit um die „Fight Night“

Ellenbogenstöße gegen den Kopf, Fußtritte gegen den am Boden liegenden Gegner, Würgegriffe: Aber bei der „Fight Night“ am Sonnabend geht‘s nicht nur im Ring heftig zur Sache.

Fight Night
Das Werbeplakat zur 5. Fight Night im Jahr 2011. Diese "Sportveranstaltung" soll nun in Neubrandenburg nicht mehr stattfinden.
Foto: Archiv
Neubrandenburg (nk)  

Es ist kein gutes Bild, das die Grünen für die „Fight Night“ zeichnen. Sportveranstaltungen dürfen nicht als Einfallstor für Verharmlosung von Rechtsextremismus dienen, fordern die Neubrandenburger Grünen. „Rechtsextremisten darf auch im Sport keine Bühne geboten werden“, sagt ihr Sprecher Nicolas Mantseris. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) sieht es ähnlich: „Diese vorgeblichen Sportveranstaltungen mit ihrem martialischen Charakter ziehen auch die rechtsextremistische Szene an, die hier eine öffentliche Bühne sucht.“

Auch am Freitag sind die beiden umstrittenen Kämpfer Silvio Dahms und Denis Tomzek in der Stadthalle wieder dabei. Letztes Jahr geriet die Kampfveranstaltung in die Schlagzeilen. Der Grund: Dahms und Tomzek sorgten mit ihren rechten Tattoos für Wirbel. Dahms präsentierte sich sogar auf dem Veranstaltungsplakat mit einer Tätowierung, die ihn dem Umfeld der rechtsextremen Szene zuordnen lässt. Einschlägige Symbole der rechten Szene, wie die „88“ und ein „Hammerskin“-Tattoo, verzierten auch den Oberkörper von Tomzek, dessen Kampf auch in diesem Jahr als „Highlight“ der Veranstaltung beworben wird.

Rechtsextreme wollen im Kampfsport Fuß fassen

„Unsere Fighter haben nichts mehr mit der rechten Szene zu tun“, widerspricht Mit-Veranstalter Ronny Schindhelm. Jeder habe eine zweite Chance verdient. Außerdem könne er den Besuchern nicht ansehen, welchen politischen Überzeugungen sie haben. Günther Hoffmann, Beobachter der Extremismus-Szene, sagt dazu: „Es gibt keine Hinweise, dass die Beiden nicht mehr in der Szene aktiv sind.“ Auch Manuela Becker vom Regionalzentrum für demokratische Kultur Mecklenburgische Seenplatte sieht die Veranstaltung kritisch: „Die letztjährige ,Fight Night‘ hat gezeigt, dass der Rechtsextremismus in der hiesigen Kampfsportszene angekommen ist.“

Laut Verfassungsschutz versuchen Rechtsextreme zunehmend, im organisierten Kampfsport Fuß zu fassen. Die Strategie dahinter ist, mehr Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft zu erreichen. Zum Event selbst fanden sich neben NPD-Abgeordneten zahlreiche bekannte Mitglieder der rechtsextremen Szene ein. Es kam auch zu einem Übergriff eines NPD-Abgeordneten auf einen Journalisten. „Erst auf massiven Druck der Öffentlichkeit entschloss sich der Veranstalter, die Fighter mit rechtsextremer Gesinnung mit verdecktem Oberkörper auftreten zu lassen und eine Erklärung gegen Gewalt verlesen zu lassen“, sagt Becker weiter.

Gespräche haben nicht stattgefunden

Aufgrund der Veranstaltung seien von Seiten der Stadt intensive Gespräche für jedwede Folgeveranstaltungen des Fight Clubs angekündigt worden, die jedoch nicht stattgefunden hatten, heißt es aus dem Regionalzentrum. Dem widerspricht Vize-OB Peter Modemann (CDU): „Im Mietvertrag gibt es enge Auflagen für die Veranstalter, auch um eine nicht so aggressive Werbung ist gebeten worden.“ Die Auflagen bestätigt auch Barbara Schimberg, Chefin des Veranstaltungszentrums Neubrandenburg, die die Stadthalle an die Veranstalter vermietet. Für sie ist es eine Sportveranstaltung, trotzdem werde man den Verlauf beobachten. „Ich habe keine Ahnung, wer dort kämpft“, sagt Schimberg auf Nachfrage.

„Politik und Zivilgesellschaft und insbesondere die Sportvereine müssen sich mit der Thematik auseinandersetzen“, so Becker. Diese Einschätzung teilt auch Modemann. Grundsätzlich lehnen Stadt und Innenministerium gewaltverherrlichenden Sportarten ab.

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