Streit ums Abwasser sorgt bei Laubenpiepern für dicke Luft

Die Gartenidylle scheint mancherorts massiv gestört. Für die Laubenpieper greift ab 2014 die Abwasserbeseitigungspflicht, was mit nicht geringen Kosten verbunden ist.  FOTO: Bernd Wüstneck
Die Gartenidylle scheint mancherorts massiv gestört. Für die Laubenpieper greift ab 2014 die Abwasserbeseitigungspflicht, was mit nicht geringen Kosten verbunden ist. FOTO: Bernd Wüstneck

VonJoachim Mangler

Kleingärtner haben es nicht leicht: Verregnete Sommer, lange Winter, Streit um GEZ-
Gebühren oder Zweitwoh-
nungssteuer. Jetzt droht neuer Ärger: Kommt demnächst der Nachttopf in der Laube wieder zu Ehren?

Neubrandenburg.Erst vor wenigen Tagen hat in den mehr als 70 000 Kleingärten Mecklenburg-Vorpommerns das Gartenjahr 2013 begonnen. Die Beete sind umgegraben, Grünes ist noch kaum zu sehen. Doch viele Kleingärtner habe tiefe Löcher gegraben und ihre Abwasseranlage runderneuert. Hintergrund ist die Abwasserregelung, die ab 2014 greift und für viel Unmut gesorgt hat. Etwa 80 Prozent der Laubenpieper haben sich auf die neue Situation eingestellt oder seien gerade dabei, die notwendigen Schritte zu unternehmen, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Gartenfreunde MV, Dieter Steffens. Zur Auswahl stehen unter- oder oberirdische abflussfreie Behälter oder mobile Komposttoiletten. Sickergruben sind vom nächsten Jahr an verboten.
Noch immer sind viele Kleingärtner sauer, hält Michael-Günther Bölsche, Vorsitzender des Regionalverbands Parchim, dagegen. Landesweit waren 36 000 Unterschriften gegen das neue Gesetz gesammelt und an Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) übergeben worden. „Doch es hat nichts geholfen“, bedauerte Bölsche. Der Minister hatte die Notwendigkeit der Gesetzesänderung unter anderem mit einem Gutachten begründet, wonach sich die Gewässergüte im Bereich von Kleingärten insbesondere in den Sommermonaten verschlechtert.
Für Bölsche stellt sich eher ein prinzipielles Problem. „Die Frage ist ,Wer ist Kleingärtner?‘“ Der, der am Wochenende oder nachmittags ein paar Stunden im Garten ist oder der, der sich seinen Garten und das Haus zu einer zweiten Heimat gemacht hat. Bölsche verweist auf das Kleingartengesetz, das besage, dass Gartenlauben nicht dauerhaft bewohnt werden dürfen. „Eigentlich sollten die Häuser eher für den Regenschutz da sein.“ Der besondere Status der Kleingärtner werde mit solchen Gesetzesübertretungen gefährdet.
„Die Aufregung ist immer groß, wenn etwas neu ist oder bezahlt werden muss“, setzte Steffens entgegen. Jetzt schrecken die hoch, die bislang nicht ordnungsgemäß entsorgt haben. Es sei auch zu DDR-Zeiten nicht erlaubt gewesen, Fässer mit Löchern in der Erde zu haben. Es sei doch verständlich, dass der Gesetzgeber nun abflusslose Gruben fordert.
Der Nachttopf in der Hütte und das anschließende Ausleeren auf dem Komposthaufen ist jedoch auch für den Landesverband aus hygienischen Gründen keine Lösung. „Aber es ist erlaubt“, sagt Michael-Günther Bölsche.
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