„So ein Bild ist eine Liebeserklärung“, sagt der Künstler Strawalde, dessen „Anna Chron“ nun als Dauerleihgabe in der Neubrandenburger Kunstsammlung zu sehen ist. FOTO: Susanne Schulz
Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Schulz
Als „Mona Lisa von Neubranden- burg“ empfindet Merete Cobarg Strawaldes „Anna Chron“, die dank der Ostdeutschen Spar- kassenstiftung als Dauerleihgabe in die Kunstsammlung gelangte.
Neubrandenburg.Anna lächelt. Ein geheimnisvolles Lächeln, das ihr Schweigen so vieldeutig macht. Erst recht wenn Annas Schöpfer neben ihr steht und in seiner heiteren, packenden Art erzählt, was ihn dazu bringt, „solche Weibsbilder“ zu erschaffen. So geschehen gestern in der Kunstsammlung Neubrandenburg, wo der Künstler Strawalde für seine Assemblage „Anna Chron“ eine Heimstatt fand – nachdem sie bei einem Ausstellungs-„Gastspiel“ 2009 die Besucher mit magischem Lächeln und unergründlichem Blick in ihren Bann gezogen hatte. Dass sie nun als Dauerleihgabe zurückkehrt, ist der Ostdeutschen Sparkassenstiftung zu danken; und dem Freundeskreis der Kunstsammlung, der sich – wie Peter Modemann, 2. Stellvertreter des Oberbürgermeisters, nicht zu würdigen vergisst – überzeugend für den Ankauf einsetzte. In Anna ein wenig verliebt zu sein, bekannte auch der Vorstandsvorsitzende der Sparkassenstiftung, Friedrich-Wilhelm von Rauch. Dass den Kunstfreunden das Werk so viel bedeutet, spreche für Kultur, Geist und Profil des Landes. Als „Mona Lisa von Neubrandenburg“ begrüßte Merete Cobarg, Leiterin der Kunstsammlung, das Werk – ein abwiegelndes „na, na, na!“ entlockte der Vergleich dem Künstler, der unter seinem bürgerlichen Namen Jürgen Böttcher als Filmemacher bekannt ist und Neubrandenburg als jene Stadt zu schätzen weiß, in der beim Nationalen Dokumentar- und Kurzfilmfestival mehrere seiner Filme liefen. Als Maler wählte er sich den (um ein h erleichterten) Namen seines Lausitzer Heimatortes Strahwalde zum Pseudonym. Auf die Anfänge seiner Künstler-Laufbahn führt er übrigens die Leidenschaft für „solche Weibsbilder“ zurück: Schon wenn er in Dresden mit der Straßenbahnlinie 16 in die Akademie fahren wollte und in der 3 ein schönes Mädchen sah, nahm er die 3: „Ich bin kein Weiberheld, aber ich war immer betört von Frauenzimmern.“ Nicht viel anfangen mag er mit der Kunst von Kollegen, die doch sicher auch lieben, „aber ihre Malerei sieht aus, als wären sie Tischler“. Das Bildnis einer Frau, so auch die fiktiven Porträts der „Anna Chron“-Reihe, versteht er als Liebeserklärung. Und Anna – lächelt.