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„Unterweltlern“ geht es an den Kragen

Die Meinung des Underworld e.V. zur Ortsumgehung ist deutlich zu erkennen. [KT_CREDIT] FOTO: J. Templer
Die Meinung des Underworld e.V. zur Ortsumgehung ist deutlich zu erkennen. [KT_CREDIT] FOTO: J. Templer

VonAndreas Segeth

In einer Baracke unter der Hochbrücke proben Schülerbands. Eigentlich sollte das Haus für die Ortsumgehung nicht weichen. Nun hat die Stadt dem Verein doch gekündigt.

Neubrandenburg.Fast sah es so aus, als hätte der Verein Underworld e.V. noch mal Glück gehabt. Während so einige Gärten dem Bau der Ortsumgehung weichen müssen, hatte die DEGES als projektverantwortliche Baugesellschaft des Bundes für die alte Baracke unter der Hochbrücke nur einen Teilabriss von rund fünf Metern vorgesehen. Jetzt sieht es anders aus: Denn die Stadt hat dem Verein den Pachtvertrag über die Immobilie mit Wirkung zum 30. Juni gekündigt und zieht auch einen Komplettabriss des Gebäudes in Erwägung.
Viele kennen das unansehnliche Gebäude noch als „Garten-Rauch“-Baracke, heute vermietet der Underworld e.V. hier Probenräume an junge Bands. Zurzeit hat der Verein neun Mitglieder, sechs Neubrandenburger Schülerbands üben hier noch regelmäßig, berichtet Frank Kettner vom Vereinsvorstand. Fünf Bands haben sich bereits neue Räume gesucht.
Die ehrenamtliche Jugendarbeit des Vereins sei nun akut bedroht, so Frank Kettner.Die Stadtverwaltung hat dem Verein zwar angeboten, bei der Suche nach Ersatzräumen zu helfen. Die vorgeschlagenen vier Alternativen seien aber nicht geeignet.
Noch sei nicht endgültig entschieden, ob die Baracke tatsächlich in Gänze abgerissen wird, teilt Rathaussprecherin Doreen Duchow mit. Die Entscheidung falle erst mit dem Planfeststellungsbeschluss. Auf Nachfrage hieß es zudem aus dem Rathaus, dass sich durch die Verlegung der Sponholzer Straße, den damit verbundenen Rückbau der vorhandenen Straße sowie die Überbauung der heutigen Grundstückszufahrt die Erschließung des Grundstücks deutlich verschlechtern werde. Lediglich die Erschließung bis zum heutigen Geh- und Radweg, welcher nicht zurückgebaut wird, sei gesichert. Die Erreichbarkeit des Gebäudes über weiterführende Wege aber sei nicht gegeben.
Aus Sicht des Vereins ist gar nicht geklärt, ob die Stadt überhaupt eine Kündigung über das Gebäude aussprechen darf. Denn Frank Kettner geht davon aus, dass der Verein Eigentümer des Gebäudes ist. Einen notariellen Kaufvertrag habe man allerdings nicht, gesteht er ein. Dieser wäre Voraussetzung für das Eigentum an der Immobilie. Für das Rathaus hingegen ist die Eigentumsfrage klar – Grundstück und Baracke gehören der Stadt, der Verein sei Pächter.

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a.segeth@nordkurier.de

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