Nordkurier.de

Verschärfter Verdacht gegen NSU-Fluchthelferin

VonRoland Böhmund
Friedemann Köhler

Verhalf Susann E., einst enge Vertraute Beate Zschäpes, der mutmaßlichen Terroristin im November 2011 zur Flucht? Die Bundesanwälte halten sich dazu noch bedeckt.

KarlsruheKurz vor Beginn des Prozesses gegen Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer der Terrorzelle NSU hat die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgeweitet. Am vorigen Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut die Wohnung von Susann E., einer einstmals engen Vertrauten Zschäpes, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet.
Die 31-jährige Susann E., gegen die bislang lediglich wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt wurde, stehe nunmehr auch im Verdacht, NSU-Mitglied Zschäpe im November 2011 bei der Flucht geholfen zu haben. Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft bestätigte am Sonntag lediglich, dass die Ermittlungen gegen eine beschuldigte Person um den Vorwurf der Strafvereitelung erweitert worden sei. Namen nannte die Sprecherin nicht.
Laut „Spiegel“ soll Susann E. ihrer Vertrauten Zschäpe unter anderem saubere Kleidung zur Verfügung gestellt haben, nachdem sich diese bei der Brandstiftung in der konspirativen Wohnung des NSU mit Benzin beschmutzt hatte. Auch Susann E.s Ehemann André gehört zu den Angeklagten, die sich mit Zschäpe ab Mittwoch in einem Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten müssen. Indes hat es vor der Aufdeckung des Netzwerks von inhaftierten Rechtsextremisten Medienberichten zufolge eine Panne im hessischen Verfassungsschutz gegeben. Die Behörde in Wiesbaden habe eine verdächtige Werbeanzeige für die Organisation „AD Jail Crew“ übersehen, obwohl sie die Motorradfahrerzeitschrift „Bikers News“ abonniert habe, berichteten die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und der „Focus“ mit Bezug auf Sicherheitskreise.
Der Kopf der Gruppe hatte im Oktober 2012 eine Annonce in der Zeitschrift veröffentlicht. Der Neonazi wollte die Organisation aus der JVA Hünfeld heraus aufbauen. Die Anzeige enthielt neben Tarncodes der Neonazi-Szene auch den Geburtstag Hitlers als Gründungsdatum. Laut Nachrichtenagentur DPA liest im Verfassungsschutz die Abteilung Organisierte Kriminalität, die sich auch mit Rockerklubs beschäftigt, die „Bikers News“. Inhaftierte Rocker schalten oft Anzeigen in der Zeitschrift.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×