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Von leicht bis dick aufgetragen

In der ehemaligen Wildberger Schule ist ein kleines Refugium entstanden, das Urte Weindich und ihr Partner aber gern öffnen – auch außerhalb von KunstOffen.  FOTO:: Silvio Witt
In der ehemaligen Wildberger Schule ist ein kleines Refugium entstanden, das Urte Weindich und ihr Partner aber gern öffnen – auch außerhalb von KunstOffen. FOTO:: Silvio Witt

VonSilvio WittundAnke Brauns

Ob Regen oder Sonne – die Kunstaktion zu Pfingsten zieht immer. Viele Menschen waren zwischen Ateliers und Werkstätten unterwegs.

Wildberg/Neubrandenburg.Rund 200 „Stammkunden“ kann die „Piano-Galerie Wildberg“ bereits in ihren Büchern verzeichnen. So viele Kunstinteressierte haben nämlich bei Urte Weindich und Partner Oliver Wenzlaff schon ihre Kontaktdaten hinterlassen. Am vergangenen Wochenende sind ganz sicher noch einige Adressen hinzugekommen. Menschen, die an der spannenden Mischung aus Malerei und Musik interessiert sind.
In der ehemaligen Schule haben es sich die Künstlerin und der Klavierbauer im wahrsten Sinne des Wortes gemütlich gemacht. In der unteren Etage konnte man am Wochenende dann auch erleben, wie jeder Quadratzentimeter Wandfläche Geheimnisse preisgab. Denn neben den Werken Urte Weindichs waren auch Fotografien ausgestellt, die das Leben ihres Vaters Jupp Weindich dokumentieren. Er verstarb im März dieses Jahres und wirkte über Jahre am Neustrelitzer Theater, mehr noch, er prägte es ein großes Stück mit.
„Wir wollen die Ausstellung noch bis Ende des Jahres hängen lassen. Natürlich kann man sie auch außerhalb von KunstOffen besuchen“, betonte Urte Weindich. Für die alljährliche Aktion hat sie abermals das Spektrum des Hauses genutzt und lud am Sonntag ebenfalls zu einem Konzert des Neustrelitzer Cellisten Torsten Harder. Seit über drei Jahren baut die Piano-Galerie auf diese Konzertabende. Rund 90 Besucher haben dabei in der Galerie Platz. „Bei großem Andrang gibt es zusätzlich echte Sitzkissen-Romantik für vier Euro. Dann kann man nämlich auch auf der Treppe den Klängen lauschen“, so die Hausherrin.
Viel Platz nehmen die zahlreichen Wachsbilder Urte Weindichs ein. Dabei beweist sie in jedem Werk, wie vielfältig die relativ unbekannte Technik sein kann. Von sprichwörtlich federleichten Akten bis hin zu großen und geradezu dick aufgetragenen Werken. Auch unvollendete Arbeiten gab es bei KunstOffen zu sehen. Gerade bei diesen konnte man erleben, wie Schicht um Schicht der noch warme Wachs aufgetragen wurde, um dann – wiederum gehärtet – Platz für die nächste Schicht zu machen. Ausstellungen der Bilder waren bisher in vielen Orten Mecklenburg-Vorpommerns sowie in Polen, Vietnam oder Frankreich zu sehen.
Für das Refugium in Wildberg hat Urte Weindich noch einige Pläne: Es soll Gästezimmer geben, so dass bei den Konzertabenden, die immer aus einem eher klassischen und einem lockeren Repertoireteil bestehen, noch mehr Kunstliebhaber eine weitere Reise in das verträumte Dorf antreten können. Gelegenheit ist dafür bereits am 15. Juni, wenn die Schweizerin Sibylle Briner ein Klavierkonzert sowie einen Jazzteil gemeinsam mit Percussionist Jan Trojanowski aus Berlin bestreitet.
„KunstOffen“-Freunde, die die Kunstsammlung in Neubrandenburg ansteuerten, trafen dort auf den Künstler Bernhard Schrock, der in Podewall lebt und arbeitet. Seine Bilder sind in der Galerei noch bis 9. Juni zu sehen. Im Künstlergespräch erzählte er, wie ihn die Natur oder Gedichte zu Werken inspirieren, wie er in einem oft langen Prozess Bilder immer wieder verändert. Selbst vor so manchem Ausstellungsstück bemerkte er beim Rundgang, da könne er „eigentlich auch noch was dran machen“. Wenn er male, sei er „wie ein Dirigent mit seinem Orchester“, beschrieb Bianka Marschall, die sich das Atelier mit Bernhard Schrock teilt und ihn oft bei der Arbeit beobachtet. Seine Figuren entstehen automatisch, erzählte er. „Ich staune selbst ab und zu, wie das so passiert.“

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